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 Unter Titanen: Verirrt im Wald

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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 2:50 am

~ Kleines Nebenplay ~

Eine Weile lang hatte Annie geglaubt, das Glück seie ihr hold, und war fast schon entspannt gewesen. Sie hatte es erfolgreich gemeistert, Eren und seinem Anhang das unschuldige Mädchen vorzuspielen. Und zwar indem sie einfach nur eine Treppe herunter gegangen war! Nun ja, ein bisschen mehr hatte es wohl schon gebraucht, doch im Kern war es der Gang in die Dunkelheit gewesen, der sie überzeugt hatte. Vor allem Eren hatte anscheinend überzeugt werden wollen, dass Annie Leonhardt nicht der Weibliche Titan war. Nun, den Gefallen tat sie ihm gern. Solang möglich, zumindest.
Während sie sich auf Schleichpfaden aus Stohess herausgeschlichen hatten, hatte Annie ein Manövergerät aus einem Wachhäuschen gestohlen und sich dem Trupp angeschlossen. Aus Kameradschaft, hatte sie behauptet. In Wirklichkeit musste sie einfach Eren im Auge behalten, für den Fall der Fälle.
Die Gruppe hatte den Plan gefasst, nach Shiganshina zu reisen. Ins Titanengebiet hinein. Für Wissen und Beweise, für einen Freispruch des Titanenjungen und ein Vorwärtskommen für die ganze Menschheit! Und das alles würden sie in einem Keller finden.
Annie war ernsthaft neugierig auf den Keller. Sie wollte gern sehen, was denn der große Hoffnungsschimmer sein sollte, für den die Kundschafter Leib und Leben riskierten. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass irgendwas Tolles dort sein würde. Vermutlich wurde es eine Enttäuschung, bodenlos und zerschmetternd, für Eren.
Der perfekte Zeitpunkt, ihn zu schnappen. Wenn er niedergeschlagen und desillusioniert war, konnte er vielleicht nichtmals wandeln. Und selbst wenn doch: Sie hatte dem grünäugigen Monster schon einmal den Kopf von den Schultern getreten. Das würde ihr wieder gelingen. Irgendwie. Vielleicht sollte sie ihm das Essen mit Vogelbeeren vergiften. Dann wäre er hungrig und elend, und sie wäre satt und zielstrebig.
Ein ausgezeichneter Schlachtplan.
Zunächst hatte auch alles geklappt. Sie waren durch das Rose-Territorium gekommen, ohne von der Militär-Polizei aufgegriffen zu werden. Offenbar hatten die Kundschafter irgendeine Art von Ablenkung eingerichtet, sodass Erens Flucht erst spät auffallen würde. Schließlich hatten sie Mauer Rose überwunden, indem sie einen unbewachten Aufzug für die Pferde missbrauchten, und waren ins Titanen-Gebiet aufgebrochen. Damit ließen sie die Polizei weit hinter sich! Doch dann war alles in die Binsen gegangen.
Spät am Abend hatten sie alle nicht mehr mit Titanen gerechnet. Doch ein kleines Rudel abnormer Krabbler hatte sie alle erschreckt, vor allem die Pferde. Dann hatte es einen riesigen Wirbel gegeben, und ehe Annie sich versah, hatte sie sich allein im Mondenschein wiedergefunden. Allein, bis auf Jean, der ebenfalls mit ihr vom Rest der Gruppe abgeschnitten worden war.
Annie schloss zu Jean auf, spähte über die Schulter hinweg zwischen die Bäume. Sie lauschte angestrengt.
"Ob einer der Titanen wohl hinter uns herkommt?", wandte sie sich leise an Jean.
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 3:40 am

Armins Plan war gut gewesen und auch seine Verdächtigungen bezüglich Annie. Es hatte alles logisch geklungen und doch war sie mit in die Dunkelheit gekommen. Sie war den dunklen, beengten Gang mit ihnen gegangen und wirkte nicht sonderlich verängstigt.
Armin hatte also doch falsch gelegen? Er hatte sich also doch geirrt? Etwas anderes konnte Jean sich nicht vorstellen, auch wenn es seltsam war, den Armin hatte sich bisher noch nie geirrt. Immerhin war er ein schlauer Kopf, ein junger Stratege, der eines Tages wohl Kommandant Erwin grosse Konkurrenz machen würde.
Aber auch Genies konnten sich irren.
Gemeinsam hatten sie also den Weg zurückgelegt, denn sollte Annie nicht der weibliche Titan sein, hatten sie einen Plan B zurechtgelegt. Ohne den Menschen, der für das Grauen auf der 57. Expedition verantwortlich war, hatten sie nichts in der Hand, um den Aufklärungstrupp vor der Existensvernichtung zu bewahren und auch Eren würde sterben. Es blieb ihnen also nichts anderes übrig, sie mussten nach Shiganshina.

Und nun stand Jean hier.
Kurz nach ihrem Aufbruch, nach dem sie die Mauer Rose hinter sich gelassen hatten, wurden sie bereits von Titanen überfallen. Ein riesiges Chaos brach aus, ihre kleine Gruppe - die durch ein paar weitere ehamlige Rekruten der 104. Trainingseinheit verstärkt wurde - wurde gnadenlos auseinander gerissen.
Der Hellbraunhaarige konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war oder wieviele Titanen sich tatsächlich auf sie gestürzt hatten.
Irgendwann waren die Schreie und das wilde Rufen verklungen ... Und zurück blieb seltsam angespannte Stille, er und Annie.
Er sah nach links, erblickte die Blonde. Er empfand es als seltsam, das ausgerechnet sie noch an seiner Seite war und alle anderen scheinbar verschwunden sind ... Oder war er vor den anderen weg gelaufen, auf der Flucht vor den Titanen, ohne es wirklich bemerkt zu haben ...?
"Gute Frage.", erwiderte er dann auf Annies Frage. Kurz musterte er sie. Es wirkte nicht, als ob sie irgendwie verletzt wäre oder dergleichen.
"Wir sind mitten im Gebiet der Titanen, wir sollten also damit rechnen, ja.", immer vom Schlimmsten ausgehen, ermahnte sich Jean. Dann konnte es nur besser werden ...
"Hast du gesehen, wo die anderen abgeblieben sind? Wir sollten sie wieder finden. Ich hoffe, sie sind nicht einfach ohne uns weiter nach Shiganshina aufgebrochen.", eigentlich traute er das keinem seiner Kameraden zu, aber die Lage war ernst und in solchen Situationen liess man sich gerne zu unüberdachten Handlungen verleiten.
Einen Moment lang herrschte Schweigen. Nur die Geräuschkulisse der Natur war zu hören und das Schnauben der Pferde. Sonst nichts. Und genau das jagte Jean einen eiskalten Schauer über den Rücken.
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 4:09 am

Langsam schüttelte Annie den Kopf. Nur widerstrebend wandte sie den Blick wieder nach vorn.
"Nein. Habe nach dem Chaos nicht mehr sehen können, wohin die anderen verschwunden sind", wisperte sie, und in der ruhigen Nacht erschien ihr selbst dies seltsam laut. Menschliche Worte schienen in dieser Natur fehl am Platz, zwischen dem Grillenzirpen und dem Rascheln kleiner Tiere im Unterholz. Irgendwo erklang ein langgezogener Eulenschrei.
Jean hob hervor, dass es wichtig war, die Gruppe rasch wiederzufinden. Da war Annie mit ihm einer Meinung. Doch wie sollten sie das anfangen, in der Dunkelheit? Wobei die Lage im Sonnenschein auch nicht unbedingt besser wurde.
"Sind wohl in eine völlig andere Richtung geflüchtet", sagte sie nach einem weiteren Moment unschlüssiger Stille. "Waren alle etwas erschrocken."
Sie hatten keine Lampe, die hatten andere gehabt. Bloß Mond und Sterne spendeten Licht. Annie legte den Kopf in den Nacken, spähte durch das löchrige Blätterdach. In der Ausbildung hatten sie gelernt, wie man anhand der Sterne navigierte. Zumindest kannten sie gewisse Sterne und Sternbilder, die stets im Norden standen, und konnten sich daran grob orientieren.
"Wir können uns einfach nach Süden wenden und sie einholen", schlug sie vor, "Wir alle wollen schließlich an den gleichen Ort, nicht?"
Eine Mauerstadt war nicht allzu schwer zu finden. Man konnte sie ja gar nicht verfehlen. Das Problem waren natürlich die gegenwärtigen Bewohner von Mauer Maria.
Ein Brechen von Ästen, Zweigen, dürren Sträuchern! In der Richtung, aus der sie gekommen waren, erklang der Lärm eines großen Körpers, der sich unbekümmert durch den Wald schob.
Annie schrak zusammen. Näherte sich der Verursacher des Brechens? Ja. Sie wäre lieber allein gewesen, in diesem Moment. Wäre Jean nicht hier, könnte sie sich einfach wandeln, dann würde sie sich nun weit weniger Sorgen machen müssen.
"Was nun, großer Kundschafter?", zischte sie ihrem Kameraden nun zu. "Du bist derjenige, der schonmal hier draußen war."
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 4:51 am

"Sind sie wohl.", erwiderte Jean schlecht gelaunt. Denn es war tatsächlich schlecht. Sehr schlecht sogar. Mit ihren nächsten Worten hatte sie allerdings recht, im Grunde hatten sie alle dasselbe Ziel, also mussten sie sich einfach nur gen Süden halten, irgendwann würden sie wohl ihre Kameraden wieder sehen.
Oder auch nicht.
Was, wenn sie bereits gefressen wurden? Was, wenn sie es geschafft hatten sowie sie? Und was, wenn Annie und er die einzigen Überlebenden wären?
Jean verzog das Gesicht.
Nein!, ermahnte er sich selbst, sie waren nicht gestorben. Wäre es so dramatisch geworden, hätte Eren sich verwandelt. Ausserdem war Mikasa bei ihm und Armin. Mikasa war stark, Mikasa war selbstbewusst und sie wusste, was in solch einer Situation zutun war. Solange sie Mikasa hatten, würden sie nicht sterben.
Jean liess seinen Blick auf Annie gleiten. Er hingegen hatte dafür sie. Den Eisklotz, der zur Militärpolizei gegangen war.
Annie war auch nicht schlecht, vor allem der Nahkampf war ihre grosse Stärke und der Umgang mit Klingen ebenso. Aber sie war eine Einzelkämpferin, noch schlimmer als Mikasa es war.
Jean rümpfte die Nase. Würde Annie ihn einfach zurücklassen, sollte sich die Gelegenheit dazu bieten? Sie hatte sich immerhin für die Militärpolizei entschiedne, während alle anderen zusammenblieben und zum Aufklärugnstrupp gegangen waren. War es wirklich nur der Wunsch nach einem angenehmen Leben gewesen, der sie zu dieser Entscheidung gebracht hatte?
Als Annie dann fragte, was sie nun tun sollten, gab er ein genervtes Geräusch von sich. Die Art und Weise, wie sie es gesagt hatte, behagte ihm überhaupt nicht.
"Eine einzige kurze Expedition war das gewesen. Einen Tag lang war ich hier draussen, ja. Und dieser Tag endete so schnell, wie er begonnen hat.", er blickte sich um, versuchte zwischen den Blättern etwas zu erkennen. Auch er hatte die Geräusche des grossen Körpers gehört, der sich durch die Bäume schob. Sie mussten hier weg, definitiv.
"Es ist zwar noch lange nicht Nacht, aber wieso bewegen diese scheiss Titanen sich eigentlich noch?", gab er von sich, "wir sollten erst einmal raus aus diesem Wald damit wir den Himmel sehen. Ohne die Sterne und den Mond können wir noch nicht einmal richtig bestimmen, in welcher Richtung eigentlich Süden liegt."
Die Geräusche wurden lauter, "Und ausserdem bekommen wir wohl bald Besuch.", er verzog das Gesicht, "Hoffen wir, es ist nicht das Titanenweib von der 57. Expedition ... Dann wären wir verloren.", mit diesen Worten gab Jean seinem Pferd die Sporen und ritt an Annie vorbei, weg von dem Geräusch, das offensichtlich immer näher kam.
Als er an ihr vorbei ritt, sah er ihr direkt in die Augen, forderte sie mit seinem Blick geradezu dazu auf, ihm zu folgen.
Er war kein Kameradenschwein, er würde sie nicht im Stich lassen, selbst dann nicht, wenn er ihr noch immer nicht ganz vertraute. Armins Beweise waren zwar haltlos, aber irgendwie konnte er sie auch nicht einfach ignorieren ...
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 5:30 am

Auch Annie hegte den Gedankengang, dass ihre Kameraden in relativer Sicherheit waren. Sie konnte sich dessen wohl sogar noch etwas sicherer sein, denn sie wußte von zwei Titanenwandlern mehr als Jean. Falls es wirklich brenzlig geworden wäre, hätte es sicherlich längst geblitzt.
Bissig machte Jean derweil klar, dass er auch nicht der größte Überlebensexperte war. Ein aufbrausender Kerl war er schon immer gewesen. In schöner Regelmäßigkeit hatte sich dieses Temperament an Erens Persönlichkeit entzündet, und umgekehrt hatte Jean mit seiner allzu selbstgefälligen Art provoziert. Wobei sich dieser großmäulige Rekrut von damals irgendwie nicht mehr so stark blicken ließ. Schon die ganze Zeit über machte Jean einen wesentlich gesetzteren Eindruck. Er war mürrisch, aber nicht panisch. Er war griesgrämig, aber dachte praktisch.
Annie hielt sich nicht für eine besondere Menschenkennerin. Doch etwas war definitiv anders geworden. Und sie dachte an den Abend vor den Feuern. An den Abend vor den Flammen, welche die Toten von Trost verschlangen. Hatte er sich da so tiefgreifend gewandelt?
Der Titan weiter hinten im Wald - sie hatten ihn noch nicht gesehen, doch was sollte es sonst sein? -lärmte wieder, und die beiden Verirrten setzten ihre Pferde in Bewegung.
"Es ist zwar noch lange nicht Nacht, aber wieso bewegen diese scheiss Titanen sich eigentlich noch?", fragte Jean.
"Weiß nicht", erwiderte Annie einfach. Und verzog ein wenig das Gesicht. Hinaus aus dem Wald also. Sie klopfte ihrem Pferd, einer braunen Stute, der sie absichtlich und demonstrativ keinen Namen gegeben hatte, auf den kräftigen Hals. Das Tier wurde etwas schneller. Auch Jean beschleunigte, er zog sogar an ihr vorbei, während er laut hoffte, dass nicht das "Titanenweib" hinter ihnen her wäre.
Tja, dachte Annie trocken, Hättest du mich nicht überholt, wäre ich nicht hinter dir her.
Wie er sie dabei anstarrte. Sie erwiderte den Blick mit verengten Augen. "Was ist?", fragte sie, wobei sie nun die Stimme ein wenig heben musste, weil die Pferdehufe einen dumpfen Rhythmus auf den sommertrockenen Erdboden trommelten. "Du erwähnst dein Titanenmädchen doch wohl nicht wieder, um mir Angst zu machen?"
Annie drehte den Kopf. Sie konnte selbst nicht genau sagen, warum sie es ausgerechnet jetzt tat, denn der Lärm brechender Äste war sogar verstummt. Vielleicht war genau das ihr seltsam vorgekommen. Sie schaute hin.
Auf der anderen Seite einer nahen Lichtung standen Fichten. In einer Höhe von etwa drei Metern ragte das Gesicht eines Titanen aus dem Astwerk. Ein längliches Gesicht mit einem rostroten Haarschopf und großen, gläsernen Murmelaugen. Der Titan starrte ihnen nach. Und platzte dann vor! Auf allen Vieren warf er sich auf die Lichtung und krabbelte mit rasenden Armen und Beinen auf sie los.
"Keine Sorge!", rief Annie aus und stieß ihre Fersen in die Flanken des Pferdes, das daraufhin einen Satz nach vorn machte, "Der da hat keine Brüste!"
Ihr Reittier fiel in vollen Galopp, auch wenn der Pfad dafür nicht unbedingt geeignet war. Hinter ihnen rammte der Titan einen Baum mit der Schulter und entwurzelte ihn.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 6:04 am

Annie war so gesprächtig wie eh und je. Er hatte das grosse Los mit ihr gezogen, wurde sich Jean bewusst. Gut, Mikasa hätte vermutlich nicht viel mehr geredet und wenn sie den Mund aufgemacht hätte, dann wäre nur irgendetwas zu Eren gekommen, aber dennoch ...
Es war eine seltsame Fügung des Schicksals, dass er gerade mit Annie alleine unterwegs war, dabei waren sie davor eine so grosse Gruppe gewesen. Verschwörerisch hatten sie in einer Runde gesessen und darüber diskutiert, dass sie es gemeinsam bis nach Shiganshina schaffen würden.
Man sah, wie weit sie zusammen kamen. Bis kurz vor die Mauer Rose.
Doch nun war nicht die Zeit, um darüber nachzudenken. Nun mussten sie die anderen irgendwie wieder finden. Und vor allem mussten sie aus diesem Wald raus.
Die Geräusche des Titanen, der hinter ihnen her war, wurden lauter. Es beunruhigte Jean. Offensichtlich verfolgte er sie wirklich und das war schlecht. Glücklicherweise klang es aber nur nach einem Titanen, wenn sie also kämpfen mussten, hatten sie zumindest eine reelle Chance, diesen Kampf zu gewinnen. Wenn es sich aber vermeiden liess, würde er den Kampf lieber umgehen, so viel stand fest.
Und kaum hatten die Beiden sich in Bewegung gesetzt, war der Lärm plötzlich da.
Annie gab ihrem Pferd die Sporen, Jean konnte das Wiehern des Tieres hören. Er sah nach hinten, über seine Schulter, blickte in die grossen, leeren Augen des Titanen, der zwischen zwei Bäumen hervorlugte. Jean gefror das Blut in den Adern.
"Scheisse!", gab er von sich, während Annie erklärte, dass sie Glück hatten, der Titan hatte keine Brüste.
Jean verzog das Gesicht und trieb sein Pferd ebenfalls zum Galopp. "Scheisse, Annie, das spielt jetzt keine Rolle. Wir müssen was machen so-", seine Worte gingen in einem lauten Rauschen und ohrenbetäubendem Knacken unter, denn der Titan hatte so eben einen Baum mit seiner Schulter gefällt, der sich daraufhin in den Ästen der anderen Bäume verfing.
Der Titan pflügte sich durch die Natur, als wären es bloss Schilfrohre, die es umzuknicken galt, um voran zu kommen.
Jeans Herz raste. Sie mussten aus dem Wald, ja, aber wenn sie draussen waren, war es dann nicht noch schlechter, um gegen den Titanen zu kämpfen? Aber zu kämpfen war ebenfalls gefährlich, zwischen den Bäumen konnten sie nicht richtig manövrieren, nicht, wenn die Bäume Normalgrösse hatten ...
"Verdammte Scheisse!", rief er noch einmal aus, "Was sollen wir tun? Auf offenem Feld sind wir unterlegen, aber hier zwischen den Bäumen ist es genau so beschiessen.", er wünschte, Armin wäre hier, der wüsste mit Sicherheit, was nun zutun wäre. Aber es war kein Armin hier, nur eine Annie. Und er.
"Glaubst du, wir können dem Dreckskerl hier entwischen? Ansonsten ... Zwei gegen einen hört sich nicht ganz so schlecht an, findest du nicht auch?", rief er Annie zu. Bis eben war er genau neben ihr hergeritten, doch die Bäume zwangen ihn immer wieder dazu, auszuweichen und von Annie wegzuschwenken. Eine normale Unterhaltung war dadurch völlig unmögilch. Er hoffte, sie hatte seine Worte überhaupt verstanden!
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 6:27 am

Zwei gegen Einen, das hörte sich wirklich gar nicht so schlecht an. Während sich der vierfüßige Titan hinter ihnen durch das Gestrüpp arbeitete und dabei trotz all der Hindernisse stetig schneller wurde, hörte Annie Jeans wüste Beschimpfungen, denen ein grober Plan folgte. Kämpfen? Ja, mussten sie wohl. Das Biest, das ihnen auf den Fersen war, würde wohl auch in den nächsten paar Minuten noch nicht umkippen, wie es sich für Titanen bei Nacht sonst gehörte. Also würden sie es schlafen legen müssen. Mit einem sauberen Doppelschnitt.
"Ja!", rief sie zu Jean herüber, der nun nicht mehr direkt an ihrer Seite, sondern mehrere Meter weg von ihr war. "Wie in Trost! Einer ist der Köder!"
Der Titan blieb indes stoisch auf Kurs. Es war nicht erkennbar, in wessen Kehrseite er sich mehr verliebt hatte. Schade, denn dies bedeutete, dass sie sich nun einigen mussten, wer denn auf Köder machte.
Durch Annies Kopf ging, dass sie selbst eigentlich die beste Wahl dafür wäre. Sie war im Grunde unverwüstlich, und der Köder befand sich immer in Gefahr, Körperteile zu verlieren. Für sie würde das keine große Rolle spielen. Doch andererseits ... wenn sie sich verletzte, und es musste ja nichtmals eine abgebissene Hand sein, dann würde sie die Wunde nicht heilen können, ohne Verdacht zu erregen. Und davor hatte sie Angst! Wenn die Verletzung lebensgefährlich war, musste sie sich mit ihren Fähigkeiten retten - oder könnte verbluten wie ein hundsgewöhnlicher Soldat.
Dann würde ich Jean als Zeugen beseitigen müssen. Ein finsterer Gedanke. Da ist es besser, wenn er selbst den Köder spielt.
Leider war es ziemlich unhöflich, jemand anderen anzuweisen, die gefährlichere Aufgabe zu übernehmen. Annie starrte zu Jean herüber, während die Bäume in fliegender Hast zwischen ihnen hindurch huschten.
Komm schon, Jean. Für Mikasa würdest du dich freiwillig melden.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 9:15 am

Jean spürte unter sich die Bewegungen des Pferdes, wie sich die Muskulatur des Tieres anspannte, wie es sich abmühte, dem Titanen zu entkommen.
Jean blickte über seine Schulter, erkannte die grauenvolle Fratze des Titanen. Er war schnell und wendig, krabbelte auf allen Vieren durch den Wald, verfolgte sie unablässig. Zu kämpfen war vermutlich die einzige Möglichkeit, schoss es ihm durch den Kopf, denn tatsächlich würden sie einem solch schnellen Titan wohl niemals entkommen, auch nicht zu Pferde.
Auch Annie schien seinen Plan zu befürworten.
Als er wieder die Gelegenheit dazu hatte, führte er sein Pferd im schnellen Galopp an die Seite von Annie und grinste sie an. Es war ein irres Grinsen, denn er erinnerte sich an Trost und all die grauenvollen Dinge, die er dort gesehen und erlebt hatte. Es waren keine schönen Gedanken. Er hasste sie.
"Wie in Trost!", sprach er. Seine rechte Hand fuhr zu einem Griff und mit einem Klicken, dass im übrigen Lärm vollständig unterging, hatte er eine Klinge eingesetzt. Er zog sie, das Metall blitzte im kalten Mondlicht, das durch das Blätterdach hindurchschimmerte.
Jean hob die Klinge in die Luft. Für einen Moment dachte er darüber nach, Annie zum Köder zu machen, doch das wäre unpassend. Es behagte ihm zwar nicht ganz, sein Leben in ihre Hände zu legen, aber er hatte in diesem Moment keine andere Wahl als ihr einfach blind zu vertrauen.
Vertrauen. Das war wichtig und wenn sie diese Mission durchführen wollten, musste er wohl nun bei Annie damit beginnen. Er biss die Zähne zusammen, sah zu ihr. Hinter ihm knickte ein weiterer Baum um, der Titan gab ekelerregende, grunzende Laute von sich, doch Jean ignorierte sie, so gut es eben ging.
"Ich spiel den Köder, du tötest ihn!", rief er ihr zu. Zum Glück verstanden die Titanen ihre Sprache nicht und waren dumm wie Stroh. Es würde sie tatsächlich vor eine gewaltige Herausforderung stellen, müssten sie in dieser Situation einen Plan ersinnen, den sie nicht laut ausplaudern durften.
Einen Moment lang dachte er über diesen Gedanken nach, bevor er ihn zur Seite schob. Dafür war nun nicht die Zeit.
"Und wehe du erledigst dieses Mistding nicht mit einem einzigen Hieb, Annie! Ich will heil aus dieser Sache herauskommen, hast du gehört? Ich will meine Arme und Beine behalten!", mit diesen Worten setzte er sich von ihr ab, wich einem grossen Baum aus und drehte sich halb in seinem Sattel herum, blickte zum Titanen, der Grinste. Er grinste fast so irre, wie er selbst eben.
Jean wedelte wild mit dem Arm, in dessen Hand er auch die Klinge hatte um auf sich aufmerksam zu machen.
"Hey, du hässliche Missgeburt! Hier bin ich. Komm doch her und fang mich. Versuchs! Ich wette, das schaffst du nicht!", wäre das hier eine echte Wette, hätte er sich niemals darauf eingelassen. Natürlich nicht! Er war ja nicht dumm. Er war realistisch. Und realistisch betrachtet würde er gegen den Titanen verlieren.
Gut ist das hier nicht meine erste Begegnung mit Titanen, dachte Jean sich. Denn wäre es seine erste Begegnung, hätte er sich nun wohl vor lauter Angst und Aufregung in die Hose gemacht ... So verspürte er zumindest 'nur' eine unglaublich grosse Angst, ohne sich nass zu machen.
Und somit legte er sein Leben in Annies Hände.
Der Titan wurde auf ihn aufmerksam, ganz so, wie er es geplant hatte. Er fixierte nur noch Jean, welcher weiterhin wie wild mit seinem Schwert wedelte und seinem Pferd mehr oder weniger die Aufgabe überliess, den Bäumen auszuweichen.
Heilige Scheisse, fuhr es ihm durch den Kopf, wenn ich hier heil rauskomme, schuldet Annie mir etwas!.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 9:46 am

Ein Glück. Eine immense Erleichterung überfiel Annie, als Jean sich selbst zum Köder erklärte. Er grinste dabei allerdings wie ein Schlitzer, was der Blonden ein mulmiges Gefühl in der Magengrube gab. Er wollte doch wohl hoffentlich nicht Selbstmord begehen oder so? Nein, dann würde er nicht so herumtönen.
"Und wehe du erledigst dieses Mistding nicht mit einem einzigen Hieb, Annie! Ich will heil aus dieser Sache herauskommen, hast du gehört? Ich will meine Arme und Beine behalten!"
Sie gab ein Schnauben zur Antwort. "Fang mein Pferd für mich ein, solang ich unterwegs bin", bat sie, während Jean bereits wieder abschwenkte und seine Rolle als Köder begann: Er führte ein wildes Theater auf, indem er den Titan beleidigte und hektisch mit einer Schwertklinge herumschwenkte. Und es klappte: Der Titan schoss sich in der Tat auf ihn ein, warf sich sogar mit ungestümen Hüpfern vorwärts und schnappte geifernd und speichelnd nach dem Kundschafter. Fast hätte sich der wehende Schweif des Pferdes zwischen den Zähnen des Titanen verfangen, um als Zahnseide zu dienen.
Annie wurde indes auch aktiv, holte die Griffe aus den Holstern und klinkte Schwerter ein. Sie zog die Füße aus den Steigbügel und hob sich aus dem Sattel, zog die Beine unter den Körper und stand halb aufgerichtet auf dem Rücken ihres Pferdes. Sie zielte, dann schoss sie: Es flog nur ein einziger Haken, der sich in einen dichten Eichenstamm grub. Annie sprang ab und gab Schub, schwirrte in engem Kreisbogen um den Baum herum. Sie umkurvte ihn und kam genau dann wieder hinter dem Baum hervor, als der Titan vorbei donnerte. Sie löste den ersten Haken und schoss den Zweiten ab - er traf den Titan am linken Ohr, durchstach sogar das Ohrläppchen. Ein Kunstschuss. Zumindest wäre er das gewesen, hätte sie dem Monster wirklich absichtlich ein Ohrloch stechen wollen.
Der Rest war ein rasches, geradliniges Heranziehen: Annie holte das Kabel ein und dotzte gegen den Hinterkopf des Titanen. Sie fand festen Stand und senste durch den Nacken. Das Monster stutzte, schnappte noch einmal, und dann brach es vorn ein und zog eine Furche in den Boden, während es mit dem Gesicht bremste und schließlich zum Halten kam.
Dampf begann, erst zaghaft, dann stärker aus dem Körper zu steigen.
Annie stand noch einen Moment lang, die Klingen halb erhoben, auf dem Hinterkopf. Doch rasch war sie sich sicher, wirklich gut getroffen zu haben. Den Haken lösend, rutschte sie zum Erdboden.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 10:04 am

Ihr Pferd sollte er einfangen! Er lachte auf. Was für eine Bitte. Wie sollte er den bitte, während er um sein Leben rannte, auch noch auf ihr Pferd achtgeben? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten war, aber er bemühte sich dennoch, Annies Ansprüchen gerecht zu werden.
Während er weiterhin die Aufmerksamkeit des Titanen auf sich zog und Annies Pferd ganz nebenbei am Zügel schnappte, bemerkte er nebenbei, wie Annie ihren Teil des Planes ausführte. Elegant schwang sie sich in die Lüfte, jedoch nicht zuvor noch einen kurzen Moment auf dem Rücken ihres Pferdes zu stehen, halb aufgerichtet. Es war ein interessant Anblick, aber Jean hatte keine Zeit, um sich wirklich intensiv darüber Gedanken machen zu können. Er vertraute einfach Annies Können. Sie war zwar keine Mikasa, aber Annie war immerhin auf dem vierten Platz gelandet. Oder war es der fünfte gewesen? Nein, der Vierte, da war er sich ganz sicher. Auf dem Fünften Platz war Eren Jäger gelandet, der Typ, mit dem er sich während der Rekrutenzeit dutzende Male gestritten hatte. Der Typ, der das Mädchen hatte, in das er sich verschossen hatte. Dummerweise. Aber das war Schnee von Gestern. Mikasa war hübsch, mutig und selbstbewusst, aber sie war so sehr in Eren vernarrt, dass es ihn mittlerweile nur noch nervte.
Er beobachtete, wie Annie durch die Luft flog und plötzlich war sie hinter einem Baum verschwunden. Kurz darauf war der Titan plötzlich so nahe an ihn herangekommen, dass er um ein Haar den Schweif seines Pferdes zwischen seine Zähne bekommen hätte.
Jean brach kalter Schweiss aus. Er trieb aus Reflex sein Pferd zu noch höhere Leistung an. Laut und voller Anstrengung wiehrte das arme Tier auf. Jean sah es bereits kommen. Das Ende. Sein Ende. Sah es bereits, wie er zwischen den Zähnen des Titanen landete, einen Arm verlor, vielleicht ein Bein.
"Scheisse, nein!", schrie er aus Leibeskräften.
Das Pferd wurde noch schneller, setzte sich ab, entkam den Zähnen des Titan, brachte Abstand zwischen ihn und das Ungeheuer.
Und dann war es vorbei. Annie war auf dem Hinterkopf des Krabblers gelandet, keine Sekunde später brach der Titan in sich zusammen, landete mit dem Gesicht voran auf dem Boden und pflügte so noch einen kurzen Moment durch den Boden, bevor er dann zum Stillstand kam.
Jean atmete schwer, den Arm mit der Klinge in der Hand nach wie vor erhoben. Sein Blick war starr. Mit grossen Augen sah er zu Annie, bevor er dann lächelte und dann lachte. Sie hatte es geschafft. Verdammt, ja! Sie hatte es geschafft, ohne dass er einen Arm oder ein Bein verlor.
Er brachte sein Pferd dazu, langsamer zu werden, was das Tier von Annie ebenfalls langsamer werden liess. Er spürte die Erschöpfung der Tiere, auch sie waren froh, dass die kurze aber intesive Hetzjagd vorbei war.
In leichtem Trab kam er mit den zwei Pferden wieder angeritten, der Titan hatte bereits begonnen zu verdampfen.
"Nicht schlecht, Annie. Nun schuldest du mir aber etwas.", er grinste sie an, dieses Mal war es aber alles andere als irre, "Dein Pferd hab ich dir auch eingefangen, ganz wie du es wolltest."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 10:24 am

Ein Angriff, ein Treffer, reibungslos und blitzschnell. Wie in Trost. Es gab schlimme Erinnerungen an Trost. Aber auch ein paar spannende, aufregende Momente. Momente wie diesen hier, in dem man in die Tat umsetzte, was man jahrelang geübt hatte. So lang geübt hatte, bis selbst das Fliegen mit Manövergerät keinen Spaß mehr gemacht hatte. Wenn sich Annie nur auf diese Momente konzentrierte, dann war dies alles doch gar nicht so schlimm. Sie empfand Stolz auf ihr Können und Triumph angesichts dieses Sieges.
Dass sie ihren Sieg genoss, konnte Jean sogar sehen. Ein leichtes Lächeln umflatterte Annies Mundwinkel, als sie sich zu ihm, der die beiden Pferde heranführte, umdrehte. Allerdings lächelte sie nur so lang, bis sie merkte, dass sie lächelte. Prombt hörte sie wieder damit auf.
Sie zuckte mit den Achseln, als Jean ihre Leistung mit "Nicht schlecht" bewertete, und schob die sanft dampfenden Schwerter in die Klingenkästen zurück. Sie streichelte ihrem Tier über die lange Schnauze und zog sich in den Sattel zurück.
"Ich schulde dir etwas?", fragte sie stirnrunzelnd. Misstrauen lag in ihrer Stimme. "Was zum Beispiel, frage ich mich. Erledigen wir nicht einfach nur unseren Job?"
Wachsamkeit lag in ihrem Blick. Als fürchte sie eine Falle oder einen Streich. Aber auch echte Neugierde, womit er wohl um die Ecke kommen würde.
Die Leiche des Titan löste sich indes gemächlich auf. Nebelschwaden zogen zum Nachthimmel auf. Der Wald, der während des stürmischen Tumults gemeinschaftlich den Atem angehalten hatte, ließ das Konzert von Insekten, raschelnden Tierchen und rufenden Eulen langsam wieder einsetzen.
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 10:42 am

Er hatte es gesehen, das Lächeln. Ungewöhnlich sanft liess es Annies Züge erscheinen, wollte so gar nicht zu ihr passen. Zu ihrem Charakter, aber es wirkte nicht unpassend zu ihrer Erscheinung. Annie sah hübsch aus, wenn sie lächelte.
Kaum hatte er diesen Gedanken gefasst, da hörte es auf, ihr Lächeln und Jean hob die Augenbrauen. Das war zu erwarten. Annie lächelte nie. Und wenn sie einmal lächelte, dann hörte sie sofort damit auf, wenn sie bemerkte, dass sie Jemand ansah. Eigentlich schade, dachte er bei sich, es stand ihr wirklich, das Lächeln.
Er sah ihr dabei zu, wie sie mit ihrer Hand sanft über den Kopf des Pferdes fuhr, er streichelte und sich dann wieder in den Sattel hochzog.
Sein Blick glitt weiter zu der dampfenden Leiche des Titanen. Sie hatten hier gute Arbeit geleistet, hatten das Ungeheuer schnell und präzise ausgeschaltet ohne gross und lange über einen Plan zu diskutieren. Eigentlich nicht schlecht, schoss es Jean durch den Kopf. Die Teamarbeit hatte in diesem Moment aufjedenfall reibungslos funktioniert, er war zufrieden.
Als Annie dann die Stimme erhob und nachfragte bezüglich seiner Worte, dass sie ihm was schuldete, schenkte er ihr nun ein Lächeln.
"Schon vergessen? Ich hab mich freiwillig und ohne zu Zögern zum Köder erklärt. Ich finde, dafür schuldest du mir was.", er zog leicht an den Zügeln seines Pferdes, lenkte es nach rechts, wo das Ende des Waldes bereits in Sicht wahr.
Er hatte ihr Misstrauen nicht überhört, war sich jedoch nicht sicher, wieso es in ihrer Stimme mitschwang. Hatte er etwas Falsches gesagt? Natürlich war es ihr Job und irgendwie meinte er es auch ein bisschen ernst, aber zum Grossteil hatte er es einfach nur als auflockernden Scherz gemeint.
Er hoffte einfach darauf, dass Annie eines Tages auch ohne zu zögern in die Bresche für ihn sprang, wenn es jemals soweit kommen sollte.
"Vergiss es einfach.", sagte er dann und winkte mit der Hand ab. Er führte seine Klinge zurück in die metallene Schwertscheide und liess sein Pferd antraben. "Lass uns einfach aus dem Wald hier verschwinden und Richtung Shiganshina gehen. Und darauf hoffen, dass wir keinem Titan mehr begegnen."
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 11:10 am

"Vergiss es einfach."
Während Jean verwirrt über Annies ernste Nachfrage war, verwirrte sein Abwinken wiederum sie. Annie kniff die Augen zusammen, sagte jedoch zunächst nichts weiter. Natürlich nicht; sie hatte sich das schroffe Schweigen schließlich gut angewöhnt. Auf freundliche Scherze reagierte sie verstockt. Anfangs war dies noch absichtlich passiert, um potenzielle Freundschaften im Keim zu ersticken. Inzwischen aber steckte es so tief in ihr drin ...
Sie ritt wieder an, schloss zu Jean auf und lenkte ihr Pferd neben Seines. "Na gut", räumte sie nach einem Moment ein, "Ich schulde dir etwas. Abgemacht."
Neugierde. Neugierde stachelte sie zu diesen Worten an. Sie hatte so lang einen Schatten im HIntergrund gespielt. Nun aber reizte sie der Gedanke, an diesem seltsamen Spiel teilzuhaben, an diesem Spiel namens "Gesellschaft".
Rasch erreichten sie den Randsaum des Waldes, orientierten sich an den Sternen und wandten sich nach Süden. Doch der Blick in den Himmel verhieß, dass sie auch ohne Titanenbegegnung auf Probleme stoßen würden. Denn Wolken zogen auf, und es waren nicht wenige.
"Wir haben keine Lichtquelle", stellte Annie das Offensichtliche fest. "Je bewölkter es wird, umso spärlicher wird das Licht von Mond und Sternen. Wenn wir Pech haben, werden wir bald wie blind durch die Gegend stolpern."
Bis zum Morgen. Und dann würden sich nicht nur die abnormalen Titanen wieder rühren, sondern auch die Gewöhnlichen, die vermutlich rudelweise hier umher zogen. Schlimmer, die Wahrscheinlichkeit auf ein Treffen stieg, je näher sie Shiganshina kamen. Die Monstren pilgerten schließlich durch die Bresche, die vor fünf Jahren geschlagen worden war. Das Maria-Gebiet hier im Osten musste also noch viel bevölkerter sein als die anderen Himmelsrichtungen.
"Außerdem: Hast du genug Proviant?" Der Großteil der Lebensmittel war auf einem Packpferd verstaut gewesen - die Reittiere hatten so leicht sein sollen wie möglich, um entsprechend schnell und ausdauernd sein zu können. Leider war das Packpferd nicht hier bei den zwei Verirrten. In Annies Satteltasche jedenfalls waren nur dürftige Mengen an Proviant, vor allem Haferkekse.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 12:08 pm

Es hatte ihn dann doch leicht überrascht, dass sie auf eine Worte eingegangen war und ihm den Gefallen zugestand, den er von ihr forderte. Er lächelte leicht. "Abgemacht.", erklärte er dann und bedachte sie mit einem zufriedenen Seitenblick. Er hatte bei Annie Leonhardt einen Gefallen gut, na wenn das nicht Mal ein Erfolg auf ganzer Linie war! Das konnte vermutlich kaum Jemand von sich behaupten.
Dennoch gingen ihm Armins Worte nicht aus dem Kopf. Und je länger Jean darüber nachdachte, konnte er gewisse optische Ähnlichkeiten zwischen Annie und dem weiblichen Titan erkennen. Sie hatte auch blondes Haar! Jean hielt inne, dachte nach. Blondes Haar traf aber auf fast die Hälfte der Bevölkerung innerhalb der Mauern zu, vielleicht war das also doch kein guter Hinweis? Dann hätte es genau so gut auch Christa sein können ... Aber das die kleine, süsse Christa so ein Monster werden konnte bezweifelte Jean sehr ... Dann doch eher Annie.
Gemeinsam ritten sie aus dem Wald heraus, glücklicherweise war die Umgebung im Moment still. Der Hellbraunhaarige hatte sich ja auf eine strapazierende Reise eingestellt, aber dass gleich zu Anfang so ein Schlamassel geschehen würde, damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Er seufzte leise und starrte in den Himmel. Kaum tat er das, drangen die Worte der Blonden an seine Ohren. Sie hatte schlechte Neuigkeiten und sie hatte recht damit. Jean sah es auch, die vielen Wolken, die heranzogen.
Er verzog das Gesicht und verdrehte die Augen. "War ja klar.", das Glück war ihnen eben nie hold, "Genau heute muss es bewölkt sein. Das war so klar ..."
Und dann kam Annie auch noch mit der nächsten schlechten Nachricht um die Ecke. Der Proviant.
"Genug würde ich das nicht nennen, nein.", erklärte er dann. Er hatte Wasser und ein paar dieser langweiligen Feldrationen. Etwas Trockenfleisch hatte er sich auch eingepackt, einfach, weil er diese Kekse eigentlich nicht besonders mochte und sie damit zumindest etwas erträgliher machen wollte.
"Ein paar Feldrationen, etwas Trockenfleisch und Wasser, das ist alles. Und du?"
Ja, ihre Lage sah im Moment nicht besonders rosig aus.
"Bereust du es inzwischen schon, mit uns mitgekommen zu sein?", reine Neugier trieb ihn zu dieser Frage, "immerhin könntest du nun friedlich in deinem Bett liegen, schlafen und morgen ganz gewöhnlich deiner Arbeit innerhalb der Mauer Sina nachgehen. Ein ganz gewöhnliches Leben.", dass ihr Leben nie wirklich gewöhnlich war, konnte Jean natürlich nicht wissen.
"Die Idee nach Shiganshina zu reiten, ist von Armin. Er hat eigentlich nie schlechte Ideen, aber im Moment zweifle ich ernsthaft an der Umsetzung. Irgendwie haben wir uns zu wenig darauf vorbereitet ... Wieso muss Eren aber auch immer so ungeduldig sein.", denn er hatte darauf beharrt, nicht lange an einem Ort zu verweilen sondern so schnell wie möglich aufzubrechen. Ganz falsch hatte er damit ja nicht gelegen, trotzdem wäre ein bisschen Zeit zum Planen nicht schlecht gewesen.
"Uns bleiben jetzt drei Möglichkeiten, so wie ich das sehe.", fuhr er fort und hob die Hand, drei Finger in der Höhe, "Erstens: Wir versuchen auf gut Glück den Weg nach Shiganshina zu finden und hoffen darauf, unterwegs auf die anderen zu finden. Zweitens: Wir suchen uns jetzt irgendwo einein Platz zum übernachten bis zum Morgen und hoffen, dass sich die Wolken bis dahin verzogen haben. Und Drittens: ... Wir kehren um, gehen nach Trost und legen uns auf die faule Haut und überlassen den Rest den anderen.", bei seinen letzten Worten lächelte er leicht.
"Und obwohl wir zusammen drei Jahre lang in derselben Rekruteneinheit waren, kenne ich dich so gut wie überhaupt nicht, weshalb ich nicht sagen kann, welche dieser Möglichkeiten dir am meisten zusagt. Also Glückwunsch, du darfst wählen: Welche sagt dir am ehesten zu?"
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 8:33 pm

In Jeans Gepäck befand sich also schonmal eine reichhaltigere Auswahl an Essen als in ihrem. Als er nachfragte, zog sie eins der Päckchen halb aus der Satteltasche. "Die Kekse. Wasser. Und ein paar Eiserne Rationen."
Eiserne Rationen waren widerlich schmeckende Riegel, gepresste Brocken aus Reis, Kaffee, Ingwer, Zitrone und irgendwelchen Beeren. Sie zu essen, war, als beiße man sich durch eine Spanplatte, wobei Spanplatten vermutlich besser schmeckten. Doch immerhin gaben sie Kraft und vertrieben jegliches Bedürfnis nach Schlaf.
Jean fragte, ob sie bereits bereue, mit der Truppe gegangen zu sein. Ja, sie hätte nun wohl in einem weichen Bett liegen können, und morgen gäbe es in der Kantine Kartoffelsuppe.
"Ja", stellte Annie knochentrocken fest, "Diesmal habe ich wohl eine falsche Entscheidung getroffen."
Er erklärte noch ein wenig, wer die treibenden Kräfte hinter dieser Unternehmung waren. Eren war offenbar das schlagende Herz, Armin der kluge Geist. Oder der nicht so kluge Geist. Zumindest hatte er diese Situation wohl nicht vorhergesehen.
"Er gibt sein Bestes", befand Annie leise. "Die Titanen, die den Plan durcheinander brachten, waren Abnormale. Die kann man nicht vorhersehen."
Schließlich blickte sie auf die drei erhobenen Finger Jeans, welche die Möglichkeiten repräsentierten, die ihnen blieben: Erstens, Weiterreiten. Zweitens, Lagern.
"Drittens: Wir kehren um, gehen nach Trost und legen uns auf die faule Haut und überlassen den Rest den anderen." Bei diesen Worten fing sie ein irgendwie schräges Lächeln von ihm auf. Sie zog eine Augenbraue in die Höhe, als er ihr gönnerhaft anbot, zu wählen.
"Nun", machte sie nachdenklich, "Du kennst mich nicht gut genug. Doch so, wie ich dich kenne, würdest du Nummer Drei bevorzugen. Das war immer dein Motto, oder nicht?" Nun war es an ihr, aufmerksam seine Gesichtsregungen zu mustern. "Kampf und Blut für die anderen. Ein faules Leben für dich. So zumindest habe ich es noch im Ohr."
Sie wand sich um die Antwort herum, aber nicht wirklich aus Unentschlossenheit. Es war einfach Interesse an diesem neuen Jean, der während der kurzen Zeit beim Aufklärungstrupp den alten Jean ersetzt zu haben schien.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 8:51 pm

Ja, Armin gab sein Bestes, mit Sicherheit. Und anders als Eren dachte er nach. Aber Annie wusste nicht, was er alles wusste. Sie wusste nicht das sie ihren ursprünglichen Plan A zunichte gemacht hatte, in dem sie mit in die Dunkelheit gekommen war.
Als er ihr dann ihre Möglichkeiten aufzählte und ihr die Wahl liess, wählte sie nicht.
Bei ihren Worten verzog Jean das Gesicht und liess die Hand sinken. Ihm gefiel es nicht, was Annie da sagte. Natürlich wäre er nun am liebsten in Sicherheit, natürlich hatte er eigentlich keine Lust auf diese ganze Unternehmung! Wer hatte schon Lust darauf, sich mit Absicht zum Köder zu machen für Titanen zu machen? Er nicht. Und trotzdem hatte er es getan. Weil es die Situation erfordert hatte. Das unterschied ihn, von damals. Er wusste, dass es Dinge gab, die man einfach tun musste. Ohne wen und aber.
"Nett.", gab er tonlos von sich, "Du denkst also, ich bin ein Kameradenschwein?", er wusste, woher diese Denkweise herrührte und ja, sie hatte recht. Zumindest hätte sie das früher gehabt. Natürlich würde er auch jetzt sich lieber auf die faule Haut legen und schlafen, aber er wollte nicht die ganze Arbeit seinen Freunden überlassen. Das war es, was sich zu damals verändert hatte.
Er zog die Augenbrauen zusammen, betrachtete sie einen Moment eingehend.
"Da macht man einmal einen kleinen Witz und schon wird man wieder mit Vorurteilen konfrontiert.", er schwieg einen Moment, "Abgesehen davon: Solltest du dir diesbezüglich nicht selbst an die Nase greifen, Annie? Du bist immerhin diejenige, die als Einzige zur Militärpolizei gegangen ist. Ich ging zum Aufklärungstrupp. Du bist die Einzige, die sich vom Rest abgesetzt hat. Wieso? Weil du ein ruhiges und angenehmes Leben innerhalb der Mauern wolltest? Weil du dich vor den Titanen fürchtest?"
Einen Moment lang sah er sie an, musternd, mit eingehendem Blick. Eigentlich hatte er diese Unterhaltung mit seinen Vorschlägen nicht provozieren wollen, doch Annies Worte hatten ihn aufgestachelt. Sie hatte eigentlich nicht das Recht, ihm das vorzuwerfen.
"Also, Annie, möchtest du wohl umkehren und dich auf die faule Haut legen?", er hob eine Augenbraue. Sein Pferd tänzelte unruhig auf der Stelle, es mochte es offensichtlich nicht, mit Reiner auf der Stelle stehen zu bleiben.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 9:26 pm

Mit ihren Vermutungen schien Annie eine wunde Stelle gepiekt zu haben. Dabei hatte sie es so derbe gar nicht gemeint. Als Kameradenschwein hätte sie ihn nicht bezeichnet. Sie verzog das Gesicht, als dieses Wort aus seinem Munde kam. Offenbar konnte sie seine Witze einfach nicht verstehen.
"Solltest du dir diesbezüglich nicht selbst an die Nase greifen, Annie? Du bist immerhin diejenige, die als Einzige zur Militärpolizei gegangen ist. Ich ging zum Aufklärungstrupp. Du bist die Einzige, die sich vom Rest abgesetzt hat. Wieso? Weil du ein ruhiges und angenehmes Leben innerhalb der Mauern wolltest? Weil du dich vor den Titanen fürchtest?"
Schmallippig schwieg sie daraufhin für einen langen Moment. Es überrumpelte sie, wie er ihr quasi das Messer in der Hand herumdrehte und auf sie selbst richtete. Wobei das Messer ja eigentlich gar nicht so beabsichtigt gewesen war, doch es war nunmal so erschienen.
Plötzlich gefiel ihr nicht, sagen zu müssen, dass sie aus Furcht nach Mauer Sina gegangen war. Es hatte in der Rekrutenzeit nie ein Problem dargestellt, dies zu sagen, daher würde sie diese Karte auch nun ziehen, doch irgendwie war da ein galliger Geschmack auf ihrer Zunge.
"Ja", erwiderte sie entsprechend zögerlich, "weil ich mich fürchte. Weil ich ein Flüchtling war. Weil ich schon vor Trost gewusst habe, wozu Titanen in der Lage sind. Darum wollte ich ins Innere, und darum ging ich auch dorthin."
In Stohess war sie lauter geworden, während des Gesprächs. Hier nun war sie zaghafter. Weil sie die Sache im Grunde selbst losgetreten hatte. Und eine recht gelassene Stimmung zu einer unterkühlten Atmosphäre hatte werden lassen. Sie war eben nicht gut mit Menschen.
"Ich möchte jetzt aber dennoch nicht umkehren, nein", versetzte sie dann. "Ich möchte hieran teil haben." Knapp nickte sie, wie um sich selbst zu überzeugen, dass es die richtigen Worte waren.
"Ich möchte die zweite Möglichkeit. Ich möchte lagern."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 09, 2018 2:33 am

"weil ich mich fürchte. Weil ich ein Flüchtling war. Weil ich schon vor Trost gewusst habe, wozu Titanen in der Lage sind."
Und plötzlich fühlte Jean sich schlecht, sie mit seinen Worten bedrängt zu haben. Er hatte es nicht gewusst. Er hatte nicht gewusst, das Annie ein Flüchtling war und ursprünglich innerhalb der Mauer Maria stammte. Von Armin, Mikasa und Eren wusste er es und auch von Berthold und Reiner, aber nicht von Annie.
Sie sprach weiter. Erklärte, dass sie nun jedoch nicht zurückkehren wollte. Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit, das Lagern.
Jean räusperte sich leise und kratzte sich etwas verlegen an der Wange. "In Ordnung, dann lagern wir.", erklärte er und zur gleichen Zeit schoss ihm die eine Frage durch den Kopf: Wo. Wo sollten sie lagern?
Plötzlich wurde es finsterer. Eine dicke, grosse Wolke schob sich vor den hellen Mond und liess das blass-silberne Licht verschwinden.
Jean wies sein Pferd an, etwas näher zu Annie zu reiten, er wollte sie nicht aus den Augen verlieren, wollte nicht vollständig alleine inmitten des Titanengebietes umher wandern.
"Tut mir leid für vorhin.", erklärte er dann mit leiser Stimme, ehrliche Reue schwang mit, "Ich wusste nicht, dass du eigentlich auch aus Maria stammst. Hast du auch in ... In Shiganshian gewohnt?"
Er war sich nicht sicher, ob er sie das fragen sollte und er war sich auch nicht sicher, ob Annie ihm überhaupt antworten würde, doch er hatte gehört, es half, über solche Dinge zu sprechen.
Ausserdem war er kein Unmensch. Eren vielleicht, den hätte es vermutlich nicht gekümmert, der sah ja sowieso nur noch seine Rache.
Einen Moment dachte er nach, fragte sich, ob er weiter auf dieses Thema eingehen sollte, doch er liess es lieber bleiben.
Jean sah sich um, wog ab, wo es wohl am besten war, zu lagern. Blind durch die Gegend zu reiten war schwachsinnig, auch wenn sie vielleicht früher oder später einen Wald der Baumriesen finden könnten. Aber das Risiko vollständig vom Weg abzukommen war einfach zu gross.
"Vielleicht sollten wir mitten auf freiem Feld lagern.", erklärte Jean dann, "Titanen sind gross, die meisten zumindest, man müsste sie schon von weitem sehen, wenn sie kommen ...", seine eigenen Worte überzeugten ihn nicht ganz, aber egal wie er es drehte und wendete, keine Möglichkeit war angemessen. Lagerten sie im Wald, könnten die Geräusche den Titanen verraten, doch die Bäume würden die Sicht stören. Lagerten sie auf dem Feld, könnten sie den Titan unter Umständen schon von Weitem sehen, selbst bei schlechtem Licht dürfte man sie früh genug erkennen, doch ein Kampf gegen die Riesen war schier unmöglich.
Was also war besser? Es war zum verzweifeln!
"Ich übernehme die erste Wache, du kannst dich etwas hinlegen und schlafen. Und sobald sich die Wolken verzogen haben, reiten wir weiter. Ich hoffe, dass das noch vor Tagesanbruch der Fall sein wird ..."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 09, 2018 6:12 am

Die Geschichte mit ihrer Vergangenheit als Flüchtling brachte Annie offenbar vorerst aus der Zwickmühle. Jean gab sich wieder weniger bissig, kehrte zu seiner wesentlich freundlicheren Art zurück.
Für einen kurzen Moment wurde es finsterer, weil der Schatten einer Wolke auf sie fiel. Als dieser Schatten sich wieder verzog, befand sich Jean mit seinem Pferd wieder etwas näher bei ihr. Nun war er sogar voller Reue und entschuldigte sich für seine Harschheit. Dies war wiederum etwas zuviel des Guten; Annie wollte kein Bedauern in dieser Angelegenheit. Sie fühlte sich schäbig genug.
"Ich wusste nicht, dass du eigentlich auch aus Maria stammst. Hast du auch in ... In Shiganshina gewohnt?"
Sie schüttelte den Kopf. "Nein. Nein, ich komme nicht aus Shiganshina." Sie hatte Shiganshina auch nie gesehen. Nur die Mauer, die Shiganshina einkapselte, die hatte sie gesehen. War dann vor Erschöpfung ohnmächtig geworden und in einem Flüchtlingslager wieder aufgewacht.
"Mein Heimatdorf liegt auch nicht auf dem Weg dorthin", fügte sie rasch hinzu, "Es liegt weit fort von hier. Und ist es auch nicht wert, darüber zu reden."
Froh war sie, als das Thema wieder einschlief. Hoffentlich für immer.
Es gab ja auch Wichtigeres. Im Augenblick schwebten sie in einer lebensbedrohlichen Lage. Und Jean war sich unsicher, was sie nun tun sollten. Er tendierte offenbar dazu, ein Lager auf freiem Felde aufzuschlagen.
"Nun ja", befand Annie nüchtern, "Auf freiem Feld könnten wir sie sicherlich eher sehen, stimmt. Doch im Wald haben wir soeben gekämpft und gewonnen. Können wir auch hier kämpfen und gewinnen?"
Sie dachte an die Techniken der Kundschafter: An das Schliddern und Gleiten, wenn sie ihre Haken in die Oberschenkel der Titanen gejagt und dann deren Fersen anvisiert hatten. Zwar hatten sie am Ende einen hohen Blutzoll gezahlt, doch Annie war erstaunt gewesen, wie wehrhaft sie trotz des flachen Landes gewesen waren.
"Man sagt, Kundschafter könnten vom Pferderücken aus kämpfen, ohne auf Gebäude oder Bäume angewiesen zu sein", sagte sie. "Kannst du das auch? Wenn ja, dann bin ich mit dem flachen Land einverstanden. Falls nicht, wäre mir ein Wald lieber. Vielleicht die Krone eines Baumes." Sie streichelte ihrer Stute über den Widerrist. "Die Pferde können ja am Boden bleiben; die Titanen rühren sie sowieso nicht an."
Auf seinen Vorschlag, die erste Wache zu übernehmen, nickte Annie knapp. "Danke." Einsilbig wie üblich.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 09, 2018 6:51 am

Jean zog die Augenbrauen in die Höhe, als sie fragte, ob sie auch hier kämpfen und gewinnen konnten. Doch bevor er etwas darauf erwidern konnte, sprach sie weiter, erklärte, dass sie bereit war, auf freiem Feld zu lagern, wenn er auch vom Pferd aus kämpfen könnte.
"Natürlich kann ich das.", erwiderte er als ob es das Natürlichste auf der Welt war. Er hatte mit Sicherheit viele Schwächen und waren in vielen Dingen nicht übermässig gut drin, doch wenn er etwas konnte, dann war es der Umgang mit dem 3D Manövergerät. Den beherrschte er mittlerweile wie im Schlaf. Mehr oder weniger.
Aber das spielte keine Rolle, denn auf einen Kampf hatte er es gar nicht abgesehen. Sein Gedanke war eher der, wenn sie einen Titanen aus der Ferne sahen, konnten sie früh genug reagieren und einem Kampf aus dem Weg gehen. Kämpfe waren risikoreich, Kämpfe waren gefährlich, Kämpfe konnten ihnen das Leben kosten, deshalb sollte man Kämpfe vermeiden, wo es nur ging! Meistens ging es leider nicht, das war Jean bewusst geworden. Leider.
"Ich kann das, aber eigentlich dachte ich eher daran, dass wir das Weite suchen, wenn wir einen Titanen sehen. Kämpfe sollten wir vermeiden so gut es geht. Wir haben nur begrenzt Gas und Klingen und die Sachen sollten bis Shiganshina möglichst ausreichen. Wenn wir jeden Titan töten, der uns über den Weg lauft, haben wir vielleicht von beidem ganz schnell nichts mehr.", erläuterte er seine Gedanken.
Von Annies Vorschlag, sich in die Baumkronen zu begeben hielt er allerdings nicht viel. Er rümpfte deswegen nur die Nase.
"In die Baumkronen?", sprach er dann, "Wirklich? Einmal abgesehen davon, dass es dort mit Sicherheit unglaublich unbequem sein wird, willst du es den Titanen noch einfacher machen, um nach uns greifen zu können?"
Das hier war ein normaler Wald. Gingen sie auf die Krone eines Baumes, und selbst wenn es der höchste Baum des Waldes war, brachten sie sich im Grunde genau auf angenehme Griffhöhe für so manche Titanen. Der Gedanke behagte ihm irgendwie nicht.
"Es klingt zwar seltsam, aber ich glaube, das offene Feld ist in diesem Moment unsere beste Möglichkeit.", fuhr er fort. Kaum ausgesprochen, drückte er seinem Tier sanft seine Fersen in die Seiten und gab ihm so das Signal, sich wieder in Bewegung zu setzten. Immerhin befanden sie sich noch am Saum des Waldes.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 09, 2018 8:27 am

Selbstbewusst war er ja. Das zumindest war beim Alten geblieben. Annie erinnerte sich lebhaft an die angeberische Art von Jean Kirschstein, der gern damit prahlte, was für ein begnadeter Flieger er doch war. Ganz im Gegensatz zu gewissen anderen Dumpfbacken. An so manchem Abend war die Baracke, in der sie ihr Abendbrot gegessen hatten, erfüllt von seinem Gerede über Tricks und Kniffe gewesen.
Zugegeben, seine Selbstgefälligkeit war nicht ohne triftigen Grund gewesen. Er war stark mit dem Manövergerät, und er hatte sich seinen Platz in den Besten Zehn verdient.
Jean lehnte den Vorschlag, sich einen der Bäume hier als Lager auszusuchen, rundheraus ab.
"Es klingt zwar seltsam, aber ich glaube, das offene Feld ist in diesem Moment unsere beste Möglichkeit."
Annie nickte. Seine Argumente waren sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Ja, Gas und Klingen waren knapp. Jeans Fluchttaktik war wohl wirklich die Bessere als Annies Kampftaktik.
"Ich verstehe", sprach sie fromm, "Wir tun es, wie du sagst."
Und damit folgte sie ihm aus dem Wald heraus.

Auf der Weite des Graslandes schlugen sie ein wenig später ihr Lager auf. Wobei dies vielleicht etwas großspurig klang: Sie hatten weder ein Zelt, noch würden sie ein Lagerfeuer entfachen. Außerdem mussten sie wie Feldhasen ständig aufs Weglaufen gefasst sein, was bedeutete, dass die Pferde nichtmals abgesattelt werden konnten.
Annie hatte sich in ihrer Kindheit nie viel aus diesen Tieren gemacht. Auch jetzt war sie gewiss keine Pferdenärrin, die begeistert mit jedem Pony schmusen wollte, das ihren Weg kreuzte. Doch sie konnte respektieren, wie nützlich die Pferde waren - und wie gut man sie ausgebildet hatte. Während der 57. Expedition hatte sie dann und wann beobachtet, dass die Tiere sogar zu ihren Reitern zurückkehrten, wenn diese aus dem Sattel gesprungen waren und anschließend nach ihnen pfiffen.
Mit nur wenig Mühe brachte sie ihre Stute dazu, sich hinzulegen. "Sei brav", raunte sie dem Tier ins Ohr. Es war zwar nicht wollig wie ein Schaf, aber ein gutes Kissen würde es trotzdem sein. Der Boden war hart, und Annie plante, sich gegen den Bauch des Pferdes zu lehnen und so zu schlafen. Sie hüllte sich in den grünen Militärumhang, den sie - wie ihr Manövergerät, das sie natürlich auch nicht abschnallte - gestohlen hatte, und schaute zu Jean.
"Du übernimmst die erste Wache? Also schön", sagte sie. "Ich werde mich nicht beschweren, wenn du es unbedingt möchtest. Aber wecke mich ruhig, wenn du auch ruhen möchtest."
Sie setzte die Kapuze ihres Umhangs auf, zog den Kragen bis zum Mund und ließ sich nieder, mit dem Rücken zu ihrem Pferd. Raschelnd versuchte sie, es sich bequemer zu machen.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mo Sep 10, 2018 6:06 pm

Jean setzte sich einfach bloss hin.
Er beobachtete Annie dabei, wie sie ihr Pferd dazu brachte, sich hinzulegen, damit sie an ihm angelehnt schlafen konnte. Erstaunlich, dass sie das schaffte. Er selbst versuchte es erst gar nicht. Er war sich sicher, sein Pferd würde bloss rumbocken und nicht das tun wollen, was er von ihm verlangte. Also setzte er sich einfach nur mitten ins Gras, in der Nähe von Annie und hielt die Zügel des Tieres in Händen damit es nicht abhauen konnte. Gut, würde es höchstwahrscheinlich sowieso nicht tun, immerhin waren die Tiere des Aufklärungstrupps gut trainiert, dennoch gab es vereinzelt Fälle, als das Pferd doch durchbrannte. Und bei seinem Glück würde ihm das auch passieren.
"Schlaf du ruhig etwas, ja.", erwiderte er auf die Frage, ob er die erste Wache übernahm. Im Nachhinein betrachtet hätte er es lieber Annie machen lassen. Er war hundemüde und in diesem Moment tatsächlich etwas eifersüchtig darauf, dass Annie sich nun ausruhen konnte, auf der anderen Seite war er sich sicher, dass er gar keine Ruhe finden würde. Nichtin dieser Situation, nicht mit der Gewissheit, dass zu jeder Zeit ein Titan kommen könnte.
Bezüglich ihrer weiteren Worte nickte er sachte. "Mach ich."
Jean legte den Kopf leicht in den Nacken, betrachtete den Himmel. Nur kleine Teile des Himmels waren noch zu sehen. Die Wolkendecke wurde immer dichter.
Dann liess er seinen Blick wieder zurück zu Annie gleiten, betrachtete sie wie sie dalag. Er fragte sich, ob es tatsächlich möglich war, dass sie sich wie Eren in einen Titanen verwandeln konnte. Es war kaum vorstellbar, dennoch war da etwas, das er nicht einfach ignorieren konnte. Wieso hatte er das Gefühl, dass sie dem Titanen irgendwie seltsam ähnlich aussah?
Jean, das hattest du vorhin schon, schoss es ihm durch den Kopf, das liegt nur an den blonden Haaren! Vermutlich würde er bei jedem Mädchen denken, dass es der weibliche Titan war, das solch blonde Haare hatte.
Er verzog leicht das Gesicht und spürte, wie die schnuppernden Nüstern seines Pferdes an seiner Seite auftauchten. Das Tier schien seine Gesellschaft zu suchen. Sanft fuhr er dem Tier über die Nüstern und lächelte leicht. "Keine Sorge, das werden wir überstehen, wir alle. Und später lachen wir über diesen beschiessenen Vorfall ...", wer genau hinhörte, mochte den verzweifelten Unterton in seiner Stimme deutlich vernehmen.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mo Sep 10, 2018 8:51 pm

Der Schlaf kam nicht leicht. Und als er kam, brachte er unleidige Dinge mit sich. Erinnerungen an Blut und Leichen, an Windmühlen und Soldaten, die rasend schnell im Kreis geschledeudert wurden. An ein Monster mit Totenschädelgrinsen und grün schillernden Augen, an eine Treppe, an unbekannte Gesichter und an Verstorbene, deren Namen sie gern vergessen wollte.
Annie erwachte erschöpfter, als sie vor dem Einschlafen gewesen war. Ein tiefer Seufzer kam über ihre Lippen, während sie sich wieder etwas aufrichtete. Unter dem Saum ihrer Kapuze spähte sie zu Jean hin, der es sich kein Stück gemütlich gemacht hatte, sondern einfach nur im Gras hockte. Rundherum lag das Grasland, mal im Silberlicht und mal in schattiger Schwärze. Die Erde strahlte noch immer sommerliche Wärme ab. Wärme, die zum Himmel aufstieg und sich verstreute.
Ob Jean die Erste Wache bis zum Morgengrauen durchziehen wollte? Gut, vielleicht hatte Annie gerade auch einfach kein gutes Zeitgefühl, und es war noch nicht lang her, seit die sich niedergelassen hatten. Vielleicht aber wollte er die Wache auch wirklich nicht abgeben. Weil er ihr nicht traute. Weil sie alle ihr nicht trauten. Oder?
Was wohl geschehen wäre, so fragte Annie sich, hätte sie sich bei der Treppe doch anders entschieden. In Stohess hatte sie Blut und Wasser geschwitzt. Sich den tiefen Gängen der Unterstadt anzuvertrauen, hatte sie unsagbar viel Überwindung gekostet. Und eine innere Stimme hatte ihr zugeraunt, dass Armin es wußte. Dass es ein Fehler gewesen war, ihn leben gelassen zu haben. Dass er sie nur angesprochen hatte, um sie in eine Falle zu führen. Und sie hatte drin gesessen, in dieser Falle. War ein Fisch in einem Fass gewesen.
Es war verlockend gewesen, dachte sie, Dies alles einfach zu beenden. All das Täuschen und Verschleiern einfach beiseite zu fegen. Doch dann hatte sie sich beherrscht und es ausgehalten.
Kurz entschlossen schob sie ihre Kapuze in den Nacken zurück, nahm Blickkontakt mit Jean auf.
"Ich bin nicht hart genug, um mitten im Titanengebiet einschlafen zu können", erklärte sie nüchtern. "Wenn du magst, übernehme ich die Wache."
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 11, 2018 1:48 am

Es war langweilig. Und schon fast wünschte sich Jean, zumindest ein Titan würde auftauchen und für Action sorgen.
Aber es kam keiner.
Jean lehnte sich leicht nach hinten und sah seinem Pfer dabei zu, wie es ebenfalls scheinbar gelangweilt an einigen Grashalmen direkt neben ihm rumzupfte.
Stille hatte sich über ihn gelegt. Annie schlief, die Grillen hatten soweit auch aufgehört zu zirpen und auch Vögel waren kaum mehr welche zu hören. Es war schon fast etwas unheimlich ... Aber vermutlich nicht unbedingt schlecht. Ein hirnloser Titan konnte sich bei dieser Stille unmöglich an sie heranschleichen, ohne das Jean etwas mitkriegen würde.
Zumindest einen Vorteil hatte diese bedrückende Stille.
Jeans Kopf ruckte zur Seite, er schlug die Augen auf. Erschrocken blickte er sich um. Sein Pferd stand immer noch neben ihm, hatte den Kopf jedoch von ihm abgewandt und graste nun in seinem Rücken.
Der Hellbraunhaarige blinzelte, rieb sich mit dem linken Handrücken über die Augen. War er eben kurz eingeschlafen? Wenn ja, wie lange?
Erschrocken sah er sich um, war ein Titan hier?
Er lauschte, horchte. Schweigen war die Antwort.
Jean atmete erleichtert durch, als er plötzlich ein Rascheln neben sich vernahm. Leise, unaufdringlich. Sein Blick wandte sich nach vorne und er erblickte Annie die sich nach wie vor an ihr Pferd gekuschelt hatte. Sie hatte ihre Kapuze tief in ihr Gesicht gezogen, so, dass er nur noch ihr Kinn sehen konnte.
Ob sie schlief? Einen Moment lang beobachtete er sie dabei, dann hörte er plötzlich leise ihre Stimme. Er lächelte leicht. Sie schlief also nicht. Was sie jedoch sagte, konnte er beim besten Willen nicht verstehen, dafür nuschelte sie zu sehr.
"Was?", machte er deshalb, "Ich versteh kein Wort, Annie. Du musst schon etwas lauter reden."
Erneut. Stille war die Antwort. Jean hob die Augenbrauen. Annie murmelte weiter irgendwelche Dinge vor sich her, ignorierte ihn komplett. Und da wurde ihm klar, dass Annie im Schlaf sprach.
Sowas aber auch, dachte er sich. Mit solch einer Macke hatte er bei der kühlen und distanzierten Annie Leonhardt überhaupt nicht gerechnet.
In den nächsten paar Minuten versuchte er irgendwelche Worte von Annie verstehen zu können. Er konzentrierte sich darauf, rückte sogar ein kleines Bisschen näher zu ihr heran, doch leider blieb das Gemurmel kryptisch und unverständlich.
Und dann erwachte sie, offensichtlich. Denn sie setzte sich auf und seufte tief. Jean bedachte sie mit einem Blick, sagte jedoch nichts.
Erst als sie fragte, ob er sich etwas hinlegen möchte, dachte er einen Augenblick lang darüber nach, wollte im ersten Moment den Kopf schütteln ... Nickte dann jedoch. "In Ordnung, ja. Ich glaube, ein Bisschen Schlaf wäre nicht schlecht ...", er wäre eben während der Wache fast eingedöst, doch konnte er sich auf Annie wirklich verlassen ...?
Er wollte sich gerade hinlegen, da hielt er inne. "Ich wusste nicht, das du während du schläfst, redest.", er lächelte leicht, "Hattest wohl einen interessante Traum?"
Jean hatte keine Ahnung, ob es bestimmte Grundvoraussetzungen gab, um während dem Schlafen zu reden, er nahm es einfach Mal an.
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 11, 2018 4:27 am

Sie dachte an nichts Böses, und dann jagte Jean ihr einen gewaltigen Schrecken ein. Annies Nerven waren aufgrund der schlechten Traumfetzen bereits angereizt, und als sie Jeans Worte erfasste, ihren Inhalt begriff, da fuhr sie zusammen, als wäre ihr etwas Eiskaltes in den Nacken gesprungen.
Einen Moment lang sas sie nur da, wie vom Blitz getroffen. Dann fasste sie sich, und in ihrer Verteidigung wurde sie ruppig. "Ich rede nicht im Schlaf. Ich atme nur schwer, wenn ich schlecht träume."
Ruhig bleiben. Wenn er irgendetwas gehört hätte ... irgendetwas verstanden hätte, dann würde er nun nicht lächeln.
Lächeln. Er lächelte schon wieder, wie vorhin. Er musste denken, dass sie schon wieder nicht verstand, wenn er einfach nur locker plauderte. Sie stand rasch auf, mit einem bedauernden Gesichtsausdruck und leiserer Stimme. "Tut mir leid. Ich bin einfach nicht gut gelaunt, und du hast mich gerade überrascht."
Rasch begann sie, sich einen Überblick zu verschaffen. Sie schaute überall hin, zu ihrem Pferd und dem anderem, über das freie Feld rundum. Überall hin schaute sie, um nur ja Jeans Blick zu entkommen. Sie taumelte von einer Peinlichkeit in die Nächste! Sie atmete tief ein, durch die Nase, und aus, durch den Mund. Langsam lockerten sich ihre Schultern wieder, und die Aufregung verschwand. Nichts passiert. Es war nichts passiert. Oder?
"Nur so aus Spaß", sagte sie zögerlich, weiterhin nicht zu ihm schauend, "Nach was für Worten haben sich meine Geräusche denn angehört?"
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