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 Unter Titanen: Verirrt im Wald

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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Sa Sep 08, 2018 2:50 am

das Eingangsposting lautete :

~ Kleines Nebenplay ~

Eine Weile lang hatte Annie geglaubt, das Glück seie ihr hold, und war fast schon entspannt gewesen. Sie hatte es erfolgreich gemeistert, Eren und seinem Anhang das unschuldige Mädchen vorzuspielen. Und zwar indem sie einfach nur eine Treppe herunter gegangen war! Nun ja, ein bisschen mehr hatte es wohl schon gebraucht, doch im Kern war es der Gang in die Dunkelheit gewesen, der sie überzeugt hatte. Vor allem Eren hatte anscheinend überzeugt werden wollen, dass Annie Leonhardt nicht der Weibliche Titan war. Nun, den Gefallen tat sie ihm gern. Solang möglich, zumindest.
Während sie sich auf Schleichpfaden aus Stohess herausgeschlichen hatten, hatte Annie ein Manövergerät aus einem Wachhäuschen gestohlen und sich dem Trupp angeschlossen. Aus Kameradschaft, hatte sie behauptet. In Wirklichkeit musste sie einfach Eren im Auge behalten, für den Fall der Fälle.
Die Gruppe hatte den Plan gefasst, nach Shiganshina zu reisen. Ins Titanengebiet hinein. Für Wissen und Beweise, für einen Freispruch des Titanenjungen und ein Vorwärtskommen für die ganze Menschheit! Und das alles würden sie in einem Keller finden.
Annie war ernsthaft neugierig auf den Keller. Sie wollte gern sehen, was denn der große Hoffnungsschimmer sein sollte, für den die Kundschafter Leib und Leben riskierten. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass irgendwas Tolles dort sein würde. Vermutlich wurde es eine Enttäuschung, bodenlos und zerschmetternd, für Eren.
Der perfekte Zeitpunkt, ihn zu schnappen. Wenn er niedergeschlagen und desillusioniert war, konnte er vielleicht nichtmals wandeln. Und selbst wenn doch: Sie hatte dem grünäugigen Monster schon einmal den Kopf von den Schultern getreten. Das würde ihr wieder gelingen. Irgendwie. Vielleicht sollte sie ihm das Essen mit Vogelbeeren vergiften. Dann wäre er hungrig und elend, und sie wäre satt und zielstrebig.
Ein ausgezeichneter Schlachtplan.
Zunächst hatte auch alles geklappt. Sie waren durch das Rose-Territorium gekommen, ohne von der Militär-Polizei aufgegriffen zu werden. Offenbar hatten die Kundschafter irgendeine Art von Ablenkung eingerichtet, sodass Erens Flucht erst spät auffallen würde. Schließlich hatten sie Mauer Rose überwunden, indem sie einen unbewachten Aufzug für die Pferde missbrauchten, und waren ins Titanen-Gebiet aufgebrochen. Damit ließen sie die Polizei weit hinter sich! Doch dann war alles in die Binsen gegangen.
Spät am Abend hatten sie alle nicht mehr mit Titanen gerechnet. Doch ein kleines Rudel abnormer Krabbler hatte sie alle erschreckt, vor allem die Pferde. Dann hatte es einen riesigen Wirbel gegeben, und ehe Annie sich versah, hatte sie sich allein im Mondenschein wiedergefunden. Allein, bis auf Jean, der ebenfalls mit ihr vom Rest der Gruppe abgeschnitten worden war.
Annie schloss zu Jean auf, spähte über die Schulter hinweg zwischen die Bäume. Sie lauschte angestrengt.
"Ob einer der Titanen wohl hinter uns herkommt?", wandte sie sich leise an Jean.
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 11, 2018 6:11 pm

Das war wohl eine der schlechtesten Ausreden, die Jean jemals gehört hatte. Sie redete nicht im Schlaf, sie atmete bloss laut.
Jean bemerkte allerdings, wie sie plötzlich ruppiger wurde, ihre nüchterne Art etwas verlor und deutlich genervt ob dieser Tatsache war. Er wusste zwar nicht wieso, immerhin war es nicht schlimm, im Schlaf zu sprechen, aber er fand es durchaus interessant. Vielleicht hatte das irgendwelche besonderen Gründe ...?
Dennoch lächelte er einfach nur. Was brachte es, sie darauf anzusprechen? Vermutlich gar nichts. Annie würde ihm niemals eine Antwort darauf geben. Er und sie hatten sowieso so gut wie nichts gemeinsam. Sie hatten sich während der Rekrutenzeit so gut wie nie unterhalten, nur während Trost hatte er sie einmal gerettet.
Er blinzelte. Das hatte er vollkommen vergessen. Damals, als er durch die verlassenen, blutverschmierten Gassen gerannt war. Als er um sein Leben gerannt war weil sein 3D Manövergerät den Geist aufgegeben hatte ... Irgendwann hatte er dann doch eines gefunden, doch es war auch nicht mehr ganz in Ordnung gewesen.
Ja, er erinnerte sich noch gut daran. Würde das Jemand wirklich tun, wenn er eigentlich ein Feind der Menschheit war?
Als sie sich dann entschuldigte, sah er auf, war doch leicht überrascht. Mit solchen Worten hatte er nun nicht von Annies Seite aus gerechnet. Das war neu.
"Schon in Ordnung.", erklärte er dann und winkte mit der Hand ab, "Wir stecken in einer beschissenen Situation, da ist das wohl normal."
Sie sah sich um, einen Moment lang, dann fragte sie, wovon sie denn gesprochen hatte, noch immer seinem Blick ausweichend.
Jean hob die Augenbrauen. Er erinnerte sich an ihre Worte von zuvor. "Ich hab ehrlich gesagt keine zusammenhängenden Sätze verstanden, aber ich hab was von Blut gehört.", er zuckte mit den Schultern, "Ist bei einem schlechten Traum womöglich nichts ungewöhnliches.", einen Moment dachte er nach, da war immerhin mehr gewesen ..., "Ausserdem hast du auch irgendwie sowas gesagt wie, ich will nicht mehr, oder so. Und dann hast du dich bei irgendwem entschuldigt. Glaube ich.", nachdenken. Da war noch mehr, aber er war sich bei vielen Worten noch nicht einmal sicher, ob er sie wauch wirklich richtig verstanden hatte, "Und von einem Totenschädel mit glühenden Augen, glaube ich. Aber kann sein, dass ich das auch falsch verstanden habe.", er zuckte mit den Schultern, "Immerhin gibt es keine Totenschädel mit grünglühenden Augen, nicht wahr?"
Jean lächelte abermals, ehrlich. Er wollte Annie damit eigentlich zu verstehen geben, dass es nichts Schlimmes war, Mal schlecht zu träumen und das auch das sprechen während dem Schlafen nichts war, wofür man sich schämen muss.
"Glaubst du immer noch", begann er dann erneut, "dass du nur schwer geatmet hast? Keine Sorge, dafür braucht man sich nicht schämen."
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 12, 2018 4:18 am

Ganz, ganz langsam pendelte sich das heftige Hämmern ihres Herzens wieder ein. Jeans Art war unauffällig, unverdächtig. Es ging keine Gefahr von ihm aus. Höchstwahrscheinlich. Völlig sicher konnte Annie sich nicht sein, so ermahnte sie sich selbst. Zumindest bisher machte ihr Kamerad nicht den Eindruck, etwas Verräterisches gehört zu haben. Wie leicht aber hätte es passieren können! Sie durfte nicht mehr im Schlaf reden. In Trost hatte sie durchleben müssen, was passierte, wenn sie und ihre Kameraden ihre Münder nicht halten konnten.
"Immerhin gibt es keine Totenschädel mit grünglühenden Augen, nicht wahr?"
Leicht zuckte sie mit den Achseln. "In meinen Träumen, offenbar", erklärte sie dann einfach.
Ihr war bislang nicht aufgefallen, wie oft Jean lächelte. Freundlich lächelte. Meist verzog sich sein Gesicht eher voller Häme und Schadenfreue, oder auch vor Verzweiflung. Er hatte eine sehr ... gesprächige Mimik, wenn man so wollte.
"Glaubst du immer noch, dass du nur schwer geatmet hast? Keine Sorge, dafür braucht man sich nicht schämen."
Mit einem gequälten Seufzer stieß Annie die Luft aus. "Fein", erwiderte sie in besiegtem Tonfall, "Du gewinnst. Dann rede ich eben im Schlaf." Sie hob die Hand, ließ die Finger durchs Haar gleiten und streifte eine Strähne hinter ihr Ohr zurück. "Gefallen tut es mir aber ganz und gar nicht. Du hättest schließlich Dinge hören können, die nicht für deine Ohren bestimmt waren. Dinge aus den Mädchenbaracken zum Beispiel. Über Mikasa, möglicherweise. Wer weiß?"
Was sie so platt dahinsagte, würde sicherlich Wirkung erzielen. Es würde Jean wieder ablenken.
Sie ließ den Blick über das nächtliche Feld schweifen. Leichter Wind wehte, und die Grashalme wiegten vor und zurück. Keine Titanen zu sehen. Sie lagen vermutlich irgendwo herum, auf die Sonne wartend.
Im Osten würden sich bald die ersten, grauen Anzeichen auf Dämmerung am Horizont abzeichnen. Dann würde es weitergehen - mit besserer Sicht und berechenbaren Gefahren.
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 12, 2018 6:09 pm

Er grinste leicht, als Annie endlich eingestand, dass sie im Schlaf redete. Natürlich hatte er reicht! Wieso sollte er sich so etwas auch ausdenken? Und irgendwie liess ihn ihre Antwort nur umso mehr grinsen, ihr "Fein. Du gewinnst. Dann rede ich eben im Schlaf." hatte etwas an sich, dass ihm zeigte, dass auch Annie mit Sicherheit ihre kleinen Schwachpunkte hatte. Charakterlich gesehen. Schwachpunkte kämpferisch betrachtet konnte Jean noch nichts genaues sagen, doch man sagte ihr nach, eine Einzelgängerin zu sein und das war im Grunde nie gut. Erst recht nicht, wenn man gegen Titanen kämpfte.
Annie erzählte weiter, erklärte, dass er ja Dinge hätte hören können. Dinge aus der Mädchebaracke. Er wurde hellhörig. Hob die Augenbrauen, interessiert. "So?", machte er.
Doch Annie war noch nicht fertig. Dann erwähnte er Mikasa und Jean verzog das Gesicht. Mikasa. Ja, damals hatte er sich in sie verschossen gehabt, damals, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Ganz zu Anfang ihrer Rekrutenzeit. Er hatte versucht, sie auf sich aufmerksam zu machen, selbst als er bemerkt hatte, dass sie Erens Anhängsel war und er im ersten Moment davon abgeschreckt war.
Er hatte sich zusammengenommen und es dennoch probiert. Aber Mikasa hatte offenbar nur Augen für Eren, das hatte Jean die Trainingsjahre über bemerkt. Irgendwann war sein Interesse an ihr geringer geworden.
Er wusste nicht, wie er reagieren würde, würde sie nun auf ihn zukommen und ihm sagen, dass sie etwas für ihn empfindet. Er konnte es nicht sagen, ob er sich darüber freuen würde. Fakt war aber, dass er inzwischen nicht mehr so hinter Mikasa her war, wi damals. Es war ihm mehr oder weniger egal.
Mehr oder weniger.
Deshalb zuckte er leicht mit den schultern. "Vielleicht auch etwas über Christa? Oder über Sasha? Nein, warte, ich glaube über Sasha möchte ich lieber nichts wissen.", und Ymir hätte ihn vermutlich für diesen Kommentar bezüglich Christa verprügelt ...
Einen Moment lang hielt er inne, dann seufzte er leise und Stille kehrte ein.
Wie lange es wohl noch dauern würde, bis es hell wurde?
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 12, 2018 9:52 pm

Leicht legte Annie den Kopf schief. Aufmerksam verfolgte sie die Wirkung dieses magischen Wortes. Mädchenbaracke. Erfolgreich abgelenkt, dachte sie mit einer gewissen Zufriedenheit. Nicht wirklich meine übliche Art, zu angeln, doch wenn der Fisch den Köder mag, dann soll es wohl passen.
Hauptsache, sie bekam Jean von ihrem Schlafgemurmel weg.
Ein bisschen erstaunt war sie aber doch, als der "Köder Mikasa" nicht so zog wie erwartet.
"Vielleicht auch etwas über Christa? Oder über Sasha? Nein, warte, ich glaube über Sasha möchte ich lieber nichts wissen."
Sie hob die Brauen. Ihr Gesicht blieb stoisch ernst. "Oh, nicht über Sasha? Nichts darüber, dass sie während der Ausdauermärsche immer Nüsse sammelte? Und später in ihrem Kissenbezug bunkerte?" Ihre Stimme wurde etwas tiefer, als erzähle sie eine Gruselgeschichte und erreiche gerade die schockierendste Stelle. "Sie hat sie gegessen, nachts. Sie hat daran genagt wie ein Eichhörnchen. Und sie dachte, niemand könne sie hören, doch wir alle haben sie gehört. Und nichts gesagt. Bis es Ymir zu bunt wurde."
Annie hatte währenddessen die Hände gehoben und führte Gesten aus wie jemand, der ein Huhn einfing und am Kragen packte. Mit scharfem Ruck ahmte sie das Brechen eines Halses nach.
Dann wandte sie sich ab. Um das Grinsen zu verbergen, das sich auf ihr Gesicht schleichen wollte. "Aber gut, nichts von Sasha. Stattdessen willst du nun sicher noch etwas schlafen, oder?"
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 12, 2018 10:25 pm

"Okay ...?", gab Jean nach Annies Erzählung bezüglich Sashas seltamen Angewohnheiten von sich. Aber das war ja tatsächlich nichts Neues, es sah Sasha sogar sehr ähnlich. Er konnte es sich bildhaft vorstellen, vor allem da Annie es auch so wunderbar malerisch erzählte.
Jean stockte, zog die Augenbrauen zusammen.
Annie erzählte etwas malerisch. Es wirkte zwar, als ob es unheimlich wirken sollte, dennoch erbracht sie eine erzählerische Leistung, die er ihr so gar nicht zugetraut hatte.
Ja, stille Wasser waren tief.
Was wohl noch so alles in Annie schlummerte? Er bedachte sie mit einem eingehenden Blick. Sie war bisher immer so unaufällig und zurückhaltend gewesen. Kaum bekam man etwas von ihr mit. Deswegen war es wohl auch so überraschend, das nun von ihr zu hören.
Er lachte kurz auf. "Das klingt ganz nach Sasha, ja ... Bei euch in der Mädchenbaracke scheint es ja besonders spannend zu sein während der Nächte ...", er ging nicht weiter darauf ein. Dass ihm andere Geschichten lieber gewesen wäre, behielt er für sich.
"Aber gut, nichts von Sasha. Stattdessen willst du nun sicher noch etwas schlafen, oder?"
Einen Moment dachte er über diese Frage nach, kaum hatte sie ihre Worte ausgesprochen, bemerkte er, wie die Müdigkeit noch immer an ihm nagte. Er hatte sie nur bis eben gekonnt aus seinem Verstand verdrängen können. Doch jetzt schlug sie wieder zu, mit voller Kraft.
Er gähnte, wie auf Kommando und kratzte sich am Hinterkopf. "Ja, sollte ich wohl ..."
Jean legte sich einfach an Ort und Stelle ins Gras, mit dem Rücken auf dem Boden liegend und die Arme hinter seinem Kopf verschränkt blickte er in den Himmel.
"Weck mich, bevor die Sonne aufgeht.", sprach er und dachte sich noch, er würde nur etwas dösen, nicht richtig schlafen.
Und irgendwann drifteten seine Gedanken ganz ab und er schlief einfach ein ...
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 12, 2018 10:49 pm

Noch besser, als ihn mit Geschichten abzulenken, war eindeutig, ihn einpennen zu lassen. Als Jean einräumte, dass noch eine Mütze voll Schlaf keine schlechte Idee sei, und kurz darauf wirklich wegpennte, atmete Annie erleichtert auf. Eine besonders gute Geschichte zu Christa wäre ihr auch nicht eingefallen, auf die Schnelle. Zumindest keine, die besonders ablenkend wäre. Christa war immer lieb und artig, eine ewige Streitschlichterin. Wenn etwas Spannendes um sie herum passierte - und Annie fand Konflikte nunmal sehr spannend - dann löschte Christa rasch die Funken und versöhnte die Streithennen. Vielleicht hatte Christa damit schon einige Morde verhindert, gerade zu gewissen Zeiten, und gerade bei Ymir.
Merken. Später erzählen. Natürlich nur zwecks Ablenkung. Nicht, weil es ihr möglicherweise gefallen hatte, dass Jean gelacht hatte. Das hatte gar nichts damit zu tun.
Annie hielt also Wache, beobachtete die Wiesen rundherum. Keine Titanen, nach wie vor. Dafür eine Gruppe von Rehen, ein paar Hasen. Ihr Magen meldete Hunger, und sie kramte in ihrer Satteltasche nach dem Proviant. Sie aß einen Keks und trank aus der Feldflasche, die bei nächster Gelegenheit besser wieder aufgefüllt werden sollte.
Wo mochten sie Frischwasser finden?
Langsam wurde der Osten grau anstelle von nachtblau. Farbe schlich sich in die Welt zurück. Während Annie noch an einem weiteren Keks nagte, erhaschte sie einen Blick auf einen fliegenden Schemen: Ein großer Vogel segelte südöstlich von ihnen über den Himmel und ging tiefer. Zwischen den Hügeln verschwand er schließlich. Er musste gelandet sein.
Fischreiher. Fischreiher lebten an Gewässern.
Ohne Zeit zu verlieren, trat Annie an Jean heran. Sie bohrte ihm leicht die Stiefelspitze in die Seite. "Aufstehen", sagte sie in einem halbwegs behutsamen Tonfall, "Es ist Dämmerung. Und ich habe etwas gesehen."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 13, 2018 6:25 pm

Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, zu schlafen. Eigentlich wollte er einfach nur etwas dösen, nicht richtig schlafen. Denn auch wenn Annie bisher nichts Verdächtiges gemacht hatte, so wollte er sich ihr doch nicht vollständig anvertrauen.
Doch es lag schlussendlich nicht mehr in seiner Hand, nach dem er trotz aller Bemühungen doch einfach eingeschlafen war. Er war eben einfach viel zu müde gewesen, hatte den Schlaf dringend gebraucht.
Seine Träume waren seltsam wirr und durcheinander. Er träumte von Titanen, aber sie waren nicht unbedingt böse. Sie sprachen miteinander, unterhielten sich, sahen ihn aber mit seltsam abweisendenden Blicken an. Es war, als könnten sie denken und wären nicht einfach mehr nur hirnlos. Und das war mehr als nur seltsam.
Erst als er plötzlich einen Schmerz in seiner Seite vernahm, lichtete sich der Nebel der Verwirrung und ihm wurde klar, dass das alles bloss ein schlechter Traum gewesen war.
Völig verdattert richtete er sich auf und rieb sich die Stelle, in die Annie eben mit ihrer Stiefelspitze getreten hatte.
"Das Wort Sanft kennst du wohl nicht, oder?", sprach er schlecht gelaunt. Er hasste es, so geweckt zu werden, seine Mutter war da immer viel vorsichtiger ... Er hob die Augenbrauen. Nein, er sollte diesen Gedanken womöglich lieber nicht zu Ende denken. Er liebte seine Mutter, aber er war auch der Meinung, dass sie manchmal unglaublich peinlich sein konnte. Das hatte sich auch jetzt nicht geändert, nach dem er deutlich erwachsener geworden war. Trotzdem liebte er sie und unwillkürlich fragte er sich, wie es ihr wohl ging ...
"Es ist Dämmerung. Und ich habe etwas gesehen."
Sie hatte recht, es dämmerte tatsächlich bereits. Er rappelte sich vom Boden auf, ihm schmerzten fast alle Glieder, das liegen auf dem Boden war ihm nicht so gut bekommen, doch eine andere Wahl war ihm sowieso nicht geblieben. Müde rieb er sich die Augen. Es war einfach viel zu wenig gewesen. Wie gerne würde er sich nun in sein Bett in seinem alten Zuhause legen und irgendwann, wenn er ausgeschlafen war, entweder von Sonnenstrahlen oder von seiner Mutter geweckt werden.
Er stoppte abrupt. Da war schon wieder dieser Gedanke. Er musste aufhören, an die guten Zeiten zu denken! Ansonsten würde er das hier nicht überstehen, ohne völlig verrückt zu werden.
"Etwas gesehen?", wiederholte er also und ging auf Annies Satz ein, "Was denn? Etwa einen der anderen?", die Erkenntnis traft ihn wie ein schlag. Was, wenn sie einen der anderen Soldaten gesehen hatte. Vielleicht Eren?! Hastig sah auch er sich um. Doch schnell verflog diese Euphorie wieder, denn niemand war zu sehen. Absolut niemand ...
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 13, 2018 10:42 pm

"Sanft?" Annie sprach das Wort aus, als stelle es wirklich etwas völlig Unbekanntes für sie da. "Meine Stimme ist doch sanft."
Sie hatte ihn schließlich auch nicht wecken können wie Ausbilder Shadis, der allmorgendlich demonstriert hatte, wieviel Lungenkapazität er doch hatte. Schreien mochte im Titanengebiet nicht das Sensibelste sein. Und prombt war Annie besorgt um Eren.
Jean kam schwer hoch. Aus Versehen machte sie ihm Hoffnung, was sie jedoch rasch abkanzelte.
"Nein, keine Spur von den anderen." Sie trat an ihr Pferd heran und bewegte es dazu, aufzustehen. Es gab nichts Nennenswertes zu verstauen, also ging der 'Abbruch des Lagers' entsprechend schnell. "Dafür habe ich einen Reiher gesehen. Er ging dort drüben herunter, zwischen den Hügeln."
Nüchtern betrachtete Annie Jean und seine Reaktion auf diese Neuigkeit. Wahrscheinlich hielt er sie für schrullig, dass sie gerade jetzt ihrem Hobby des Vogelbeobachtens nachgehen wollte.
"Es mag also sein, dass dort ein Gewässer ist. Gute Gelegenheit, Trinkwasser aufzunehmen, finde ich. Außerdem könnte es ja ein Fluss sein, und Flüsse laufen gern zusammen. Auch durch Shiganshina strömt ein Fluss, wie durch viele Mauerstädte, oder nicht?"
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 16, 2018 6:06 pm

Jean rieb sich die Stelle, die Annie getreten hatte. Es war nicht so, dass die Schmerzen kaum auszuhalten waren, aber er war überrascht über die Grobheit, mit der sie ihn geweckt hatte. Aber was hatte er auch anderes erwartet? Es war immerhin Annie, von der sie hier sprachen und Niemand sonst. Und tatsächlich sprach Annie, als ob sie das Wort "Sanft" noch nie wirklich gekannt hatte. Jean verzog bei ihren Worten das Gesicht und rümpfte leicht die Nase.
"Deine Stimme?", wiederholte er und fuhr sich mit seinen Fingern durch seine Haare, "Das ist aber auch das einzige, das sanft an dir ist. Und ich bin mir sicher, auch da kannst du ... Nun ja, unsanft werden.", da war er sich sogar ziemlich sicher. Es war immerhin Annie, von der sie hier sprachen ...
Sie erklärte weiter. Sagte, dass sie Reiher gesehen hätte und tatsächlich, hätte sie nicht sofort weitergesprochen, Jean hätte sie gefragt, ob sie noch alle Tassen im Schrank hatte, immerhin war jetzt weder die Zeit noch der Ort, um irgendwelchen Vögeln nachzujagen.
Aber sie erklärte sofort, es ging anscheinend um Trinkwasser. "Verstehe.", gab er von sich und überprüfte den Sattel seines Pferdes, bevor er sich mit Schwung in diesen begab, "Das ist wahr, durch Shiganshina sollte ein Fluss fliessen. Aber das solltest du besser wissen, als ich. Ich stamme aus Trost, ich war noch nie in Shiganshina ...", er rutschte im Sattel etwas hin und her um eine angenehme Position zu finden, bevor er sich dann leicht vorbeugte und dem Tier sanft über den starken Hals fuhr. Kurz flüsterte er dem Pferd etwas zu, bevor er sich wieder aufrichtete.
"Also gut, dann lass uns Vögel jagen. Wird sicher spannend!", seine Laune hatte sich wieder gehoben. Wieso auch nicht? Vögel und Trinkwasser in Aussicht und bisher noch keinen einzigen Titanen. Wenn das nichts Erfeuliches war!
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 16, 2018 8:48 pm

Ihre Stimme war also das einzige an ihr, das sanft war. Annie stimmte Jean im Grunde vollkommen zu - sie war schließlich Soldatin, und keine Glucke. Zugegeben, jemand wie Christa konnte irgendwie beides sein, sie konnte Uniform tragen und trotzdem daherkommen wie ein weiches, knuffiges Ding, das man drücken wollte. Doch ... In jedem Falle stimmte Annie zwar zu, doch es klang auch gemein. Ihre Augen verengten sich.
"Du willst", säuselte sie mit sehr dunkler, sehr samtener, sehr sanfter Stimme, "sicherlich gern noch einmal von mir geweckt werden." Sie würde ihm zeigen, wie unsanft ihre Stimme sein konnte.
Eigentlich sollte sie sich jedoch nicht zu lang daran aufhängen. Sie erklärte weiterhin, was Sache war, mit dem Reiher und dem Gewässer und dem Fluss als möglichem Wegweiser. Dies gab dem grauenden Morgen immerhin ein festes Ziel, auf das sie sich konzentrieren konnten, und schon kurz darauf saßen sie in den Sätteln.
"Also gut, dann lass uns Vögel jagen. Wird sicher spannend!"
Sie schaute ihn schräg von der Seite an. War er ironisch? Vermutlich. Es war immerhin Jean, von dem sie hier sprachen.

Die Sonne hatte den Horizont noch nicht überklettert. Ihre Strahlen krochen über den Himmel, doch erreichten den Erdboden nicht. Durch dieses Zwielicht hindurch ritten sie zu den Hügeln, und es war eine ereignislose Etappe. Von den zwei Hasen abgesehen, die sie aus dem Versteck jagten, abgesehen, begegneten sie keiner lebenden Seele.
Die Hügel waren nur sanfte Erhöhungen in der Landschaft, für die Pferde leicht zu besteigen. Annie trieb ihre Stute die Anhöhe hinauf und verschaffte sich Überblick. Was sie sah, gefiel ihr: Eine Auenlandschaft entfaltete sich am Fuße der Hügel, und es gab wirklich einen Fluss, der sich in trägen Bögen vorwärts schlängelte. Mal umsäumten Trauerweiden das Ufer, dann wieder wucherte Schilf. Auch der Reiher war da, mit ein paar Freunden. Die Gruppe stakste durch das seichte Wasser, auf der Suche nach Fressbarem.
Dann aber musste Annie zweimal hinschauen. An einer Stelle am gegenüberliegenden Ufer war das Schilf auf breiter Fläche kurz und stoppelig, wie Getreidehalme direkt nach der Ernte.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 18, 2018 6:06 pm

Nein, wollte er nicht. Er wollte nicht noch einmal von ihr geweckt werden und das hatte er ihr auch geantwortet. Gross darauf reagiert hatte Annie allerdings nicht mehr, aber das war auch nichts Neues. Sie hatte für ihre Verhältnise sowieso schon ziemlich viel gesprochen, was Jean leicht überrascht hatte. Lag es vielleicht daran, weil sie nicht in der Masse untergehen konnte? Weil sie hier zu Zweit alleine waren? Oder lag es vielleicht ganz schlicht und ergreifend an seiner Gesellschaft ...?
An was auch immer es lag, es war nur von kurzer Dauer, denn der Ritt zu dem Vogel, den Annie gesehen haben mochte, verlief ereignislos, unspektakulär und still. Keiner der Beiden sagte etwas, nur die Geräusche der Natur war zu hören und das schwere Schnauben der Pferde und deren Hufgetrampel.
Und dann kamen sie tatsächlich an einem Fluss an. Jean war erstaunt, dass Annie doch recht gehabt hatte, er hätte schwören können, sie würden nun vergebens in die falsche Richtung gehen, denn Shiganshina musste irgendwo südwestilch von hier liegen und in welche Richtung waren sie gegangen? Irgendwie östlich oder so? Er war sich nicht ganz sicher, aufjedenfall hatte es sich falsch angefühlt.
Doch sie hatte recht behalten. Da war ein Fluss, samit den Vögeln, die Annie wohl gesehen hatte. Oder zumindest den einen.
Annie betrachtete stumm und eingehend etwas, das Jean nicht sofort sah. Er liess sich von den Vögeln ablenken. "Hattest recht.", erklärte er, "sind wirklich paar Vögel hier. Gutes Auge.", er wollte gerade von seinem Pferd absteigen, um die Wasserflasche zu füllen, als ein leises Rascheln ihn wie vom Blitz getroffen erstarren liess.
Er wartete. Eine Sekunde, zwei Sekunden ... War da erneut das Rascheln gewesen?
"Annie ...?", murmelte er, "hast du das auch gehört?"
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 19, 2018 6:04 am

Jean lobte ein wenig lakonisch ihre Beobachtungsgabe. Annie hörte es, reagierte jedoch nicht wirklich darauf. Ihre Augen hafteten noch immer an der Stelle mit den Schilfstoppeln. Im Geiste ging sie die natürlichen Ursachen für diesen unnatürlichen Anblick durch.
Eine Windböe könnte die Schilfrohre umgeknickt haben. Die Rohre selbst wurden fortgetragen, ob von Wind oder Wasser. Dies war das Einfachste. Doch der Kahlschlag war nicht überall, sondern nur an einer Stelle. Einer sehr breiten Stelle von der Fläche eines Kasernenhofes vielleicht, aber drumherum erstreckte sich weiterhin ein Gürtel aus Schilf am Ufer.
Jean ließ sich gerade vom Pferd gleiten. Annie tat es ihm nach, ihre Wasserflasche greifend und zum Ufer gehend.
"Annie ...?" Hast du das auch gehört?"
Sie stutzte. War bereits mit beiden Beinen auf dem Boden, aber musste unter dem Hals ihrer Stute hindurchspähen, um Jean ansehen zu können. "Hm? Was genau? Das Rascheln gerade?"
Rasch schaute sie am Ufer entlang. "Was auch immer es war, sicherlich kein Titan", entschied sie nüchtern. "Vielleicht ein Hase, oder ein Rehkitz. Wollen wir es erlegen, wenn es essbar ist?"
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 20, 2018 6:09 pm

Jean sah, wie Annie unter dem Pferdehals zu ihm hindurchspähte. Auch sie hatte das Rascheln also gehört. Gut! Eingebildet hatte er es sich damit also schonmal nicht. Während er sofort von Gefahr ausging, schien Annie es eher für etwas Harmloses zu halten. Und etwas Essbares.
"Grundsätzlich.", begann er dann nachdenklich, "Gerne, etwas Fleisch wäre sicher ganz nett. Aber haben wir überhaupt die Zeit dazu, ein Feuer zu machen und es anständig zu braten?", einen kurzen Moment pausierte er, beobachtete Annie und da kam ihm ein Gedanke, "Du willst es doch sicherlich nicht roh essen ... oder?", er fragte zwar nach, aber irgendwie würde er Annie das sogar zutrauen. Einmal abgesehen davon, dass man Fleisch nicht roh essen sollte und es sowieso nicht schmeckt, würde er Annie für so hart halten, rohes Fleisch zu essen.
Er verzog das Gesicht bei dieser Vorstellung. Sein Kopf hatte ihm gerade ein Bild in den Verstand gesetzt, das er vermutlich nicht mehr so schnell loswerden würde.
Wieder erklang das Rascheln und liess Jeans gesamten Körper anspannend. Er blickte nach links, dann nach rechts und erstarrte. Da erblickte auch er die seltsam kahle Stelle.
"Häh?", machte er und ging etwas auf das Flussufer zu. Was war hier los? Ein seltsames Rascheln und eine komisch kahle Stelle im Schilfrohr. Hing das miteinander zusammen?
"Was ist hier los ...?", murmelte er, "irgendetwas stinkt hier und zwar gewaltig."
Das Rascheln nahm an Stärke zu. Plötzlich konnte man leise, quieckende Geräusche vernehmen. Hell und klar, eine Stimme folgte. Und dann glaubte Jean, das Wort "Hilfe" gehört zu haben. Ganz leise, ganz dünn. Hatte er sich vielleicht geirrt?
Er sah zu Annie, die Stirn in tiefe Falten gelegt. "Ich glaube, da braucht Jemand Hilfe ..."
Kurz darauf stolperte ein Mensch aus der Wand aus hohen Schilfrohren. Ein Quietschen, gefolgt von einem lauten Platschen.
Wer auch immer da gerade aus dem Schilf getreten war, hatte es nicht mit Eleganz getan und war letzendlich am Ufer ins Wasser geplumpst.
Und als er genauer hinsah, erkannte er, wer es war.
"Ch-Christa!"
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 20, 2018 9:45 pm

Ja, Annie hielt das, was da raschelte, in der Tat für harmlos. Zumindest relativ zu den wirklich gefährlichen Wesen hier im Maria-Territorium. Das Schlimmste, was sich an sie anschlich, konnte nur ein Tier sein oder ein sehr, sehr winziger Titan. Freilich, ohne Zweifel gab es abnormale Titanen, die auf Schleicher machten, doch die Vorstellung eines kriechenden Titanen, der versuchte, sich durch das Schilf zu nähern ... nun ja.
Als Jean sie verdächtigte, Fleisch roh verzehren zu wollen, kniff sie die Augen zusammen. So erschüttert, wie er fragte, stellte er es sich wohl sogar schon vor. Wie sie mit blutig verschmiertem Gesicht über einem Kadaver kauerte.
"Klar", versetzte sie kühl, "Ich knacke gern die Schädel kleiner Tiere und löffle ihre Hirne."
Mit etwas mehr Dramatik als nötig klinkte sie ein Schwert ein und zog blank, auf das Rascheln zugehend. "Im Ernst: Spätestens in Shiganshina werden wir wohl Zeit zum Kochen haben. Also wär ein Hase jetzt ein hübsches Mitbringsel." Selbst wenn da ein Bär rauskommen sollte, würde sie damit schon fertig werden.
Jean bemerkte derweil, dass hier etwas seltsam war. Etwas verspätet, fand Annie.
"Ja ja", knurrte sie über die Schulter, "Erst kümmern wir uns aber um deins."
Und dieses Deins war Christa, die quiekend aus dem Schilfwald platschte. Annies Gesicht verlor jeden Ausdruck.
Jean musste sehr begeistert sein - sein Ausruf war jedenfalls sehr leidenschaftlich. Sicherlich freute er sich, nun eins der süßen Mädchen bei sich zu haben.
Annie ging hin und streckte Christa die freie Hand entgegen.
"Mit dir", sprach sie aufgeräumt, "haben wir nun am wenigsten gerechnet. Wie kommst du in den Fluss? Sind die andern auch hier?"
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 23, 2018 6:08 pm

Jean verzog das Gesicht ob Annies Worten. Das war eklig! Wie konnte sie das nur so geradeheraus sagen. Natürlich, er war sich sicher, dass sie das nur aus Scherz sagte, dennoch war es nichts, was ein Mädchen von sich geben sollte, wenns nach seiner Meinung ginge. Aber Annie war ja noch nie das typische Mädchen gewesen, sie stach schon immer aus dieser Menge heraus. Ob sie sich dessen bewusst war?
"Klingt ja lecker ...", gab er mit einem Gesichtsausdruck von sich, der eindeutig zeigte, was er von ihren Worten hielt. Ja, sie waren bloss als Scherz gemeint, doch wenn Annie das so sagte, dann klang es für einen Moment, als ob sie es tatsäclich ernst meinen könnte.
Einen Augenblick lang sah er die Blonde an, während sie doch etwas schlecht gelaunt erklärte, dass sie sich zuerst um seins kümmern würden.
Und nur wenige Momente später war Christa aus den Schilfrohren hervorgekommen. Was sie beide äusserst überrascht hatte, sowohl Jean als auch Annie.
Die Blonde reagierte schneller. Sie war zu Christa gegangen und hielt ihr eine Hand entgegen, half ihr dabei, sich wieder aufzurichten.
"Uuuuuh ...", machte Christa, kniff ein Auge zu und hielt sich mit der rechten Hand den Kopf während sie mit der Linken nach Annies Hand griff, "Danke ... Ich-Ich hab auch nicht mit euch hier gerechnet, wenn ich ehrlich bin."
Einen Moment brauchte Christa offensichtlich, um sich zu sammeln, dann richtete sie sich ganz auf und lächelte sowohl Annie als auch Jean an. "Vielen Dank, Annie! Ich bin froh, euch hier getroffen zu haben. Und auch, dass ihr offensichtlich nicht verletzt seid. Ich wurde irgendwann von Ymir getrennt ... Ich glaube, sie wollte einen Titanen ablenken, damit ich entkommen konnte.", bei ihren letzten Worten sah sie zur Seite. Jean konnte ihr ansehen, dass ihr dieser Gedanke zu schaffen machte.
Er ging ebenfalls auf das Mädchen zu und lächelte ... Sie war aber auch so verdammt hübsch!
"Geht es dir denn auch gut? Bist du verletzt?", erkundigte sie sich.
"I-Ich ...", begann Christa, "Mir geht es gut, denke ich. Ich war mi Ymir alleine unterwegs, bis ich dann auch von ihr getrennt wurde.", antwortete sie dann auf Annies Frage, "Wo die anderen sind, weiss ich leider nicht. Tut mir leid!"
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 23, 2018 10:22 pm

Die liebe Christa. Die süße Christa. Leider nicht essbar. So dachte Annie, noch während sie dem anderen Mädchen auf die Füße half. Natürlich, so wirklich hungrig war sie sowieso nicht. Noch nicht. Der Tag war kaum angebrochen, und die Feldverpflegung lag ihr  schwer im Magen. Diese Kekse besaßen die Konsistenz von Birkenrinde. Hatte Connie nicht mal erzählt, dass Bären vor dem Winterschlaf Birkenrinde fraßen, um sich den Darmausgang zu verstopfen?
"Sie fressen das Zeug bündelweise, und dann bildet es etwas wie einen Korken, und dann ist alles dicht. Und dann pennen sie, und wenn sie im Frühling wieder aufwachen, dann machen sie einmal HNNNNG, und dann macht es PWOFF, und heraus kommt der Korken wie eine Musketenkugel!"
Ja, so hatte Connie auf irgendeinem der zahlreichen Tagesmärsche geredet, der sie in die Wildnis geführt hatte.
Christa erwähnte derweil Ymir, die sich über die Birkenrinde-Geschichte damals besonders aufgeregt hatte. Offenbar hatte sich Ymir einem Titan als Köder angeboten, um Christa die Flucht zu ermöglichen. Annie verzog den Mund zu einer leichten Grimasse. Sie hatte da wohl den gleichen Gedanken wie Christa selbst. Die gleiche Befürchtung. Während Jean und sie sich wenigstens zu zweit einem Titan hatten stellen können, war Ymir allein in dieser Lage gewesen. Ihre Chancen standen schlecht. Darauf würde sie jedoch nun nicht herumreiten. Die Moral zu zerstören war das Letzte, das sie wollte.
Jean hatte sich nun dazu gesellt. Auch er stellte keine Vermutungen über Ymirs Schicksal an, sondern erkundigte sich nur nett nach dem Wohlbefinden seiner Kundschafter-Kameradin.
Annie ließ ihr Schwert wieder in den Klingenkasten gleiten.
"Dann sind wir also noch zerstreuter als befürchtet", stellte sie nüchtern fest. "In wie viele Kleinstgruppen uns dieser Nachtangriff wohl zersplittert hat? Na gut, nicht dass es helfen würde, das zu wissen." Sie schaute von einem zum andern. "Wir sind nun also zu dritt. Leider nur mit zwei Pferden? Und der Tag bricht an. Die Zeit, in der auch normale Titanen wach sind. Was also tun wir? Spielen wir bis zur nächsten Nacht auf Sicherheit?"
Natürlich war dies besonders an Jean gerichtet. Hatte er nicht schon in Trost einen Funken Anführertalent in sich entdeckt?
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Jean Kirschstein

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mo Sep 24, 2018 6:13 pm

Nein, mit Christa hatte er tatsächlich nicht gerechnet, nie im Leben. Er war fest davon ausgegegangen, dass es irgendeine gefährliche Kreatur gewesen wäre. Immerhin waren Titanen nicht die einzigen, die Menschen nur zu gerne frassen, sie waren eben nur die gefährlichsten von allen. Wobei ein Bär durchaus auch gefährlich werden konnte, ohne die passende Ausrüstung dafür. Zum Beispiel ohne Gewehr.
Und zum Glück konnte er Annies Gedanken weder hören noch sehen, ansonsten hätte es nur erneut bestätigt, wie wenig mädchenhaft sie doch manchmal sein konnte. Und doch, ab und an war Jean von ihrer Art doch überrascht. Er war so sehr der festen Überzeugung, dass sie sich mehr wie ein Junge verhält, als ein Mädchen, dass er in letzter Zeit desöfteren Mal überrascht über irgendwelche Dinge von ihr war, die ganz klassisch mädchenhaft waren.
Christa antwortete derweil auf all die Fragen, die ihr gestellt wurden. Sie sprach davon, dass sie alleine mit Ymir unterwegs gewesen war. Wie hätte es auch anders sein können ... Als sie aufgesplittet wurden, wäre Ymir vermutlich durch ein riesiges Feld voller Titanen geritten, nur um an Christas Seite bleiben zu können. So viel stand fest. Dass also ausgerechnet Ymir bei ihr gewesen war, war keine grosse Überraschung.
"Verstehe.", murmelte Jean dann leise. Er verstand es sogar zu gut. Und er hatte in etwa denselben Gedanken wie Annie, nur wusste er es natürlich nicht, weil er ihre Gedanken nicht lesen konnte - noch immer nicht.
Wenn es mehr als nur ein Titan gewesen war, den Ymir hatte ablenken müssen, waren ihre Chancen nicht besonders hoch, dass sie überlebt hatte. Er blickte zu Christa, welche noch immer ganz zittrig auf den Beinen stand, ihre Kleidung war nass, genau so wie ihre Haare. Mit ihren grossen, blauen Augen blickte sie zu Jean und dann zu Annie.
"Können wir nach ihr suchen?"
Jean hob eine Hand und strich sich durch seine Haare. Genau diese Frage hatte er erwartet, er hatte nur keine richtige Antwort darauf. Annie fing fast zeitgleich an zu sprechen, weshalb er ganz froh war, dass er noch etwas anderes hatte, auf das er reagieren konnte.
"Gute Frage, im schlimmsten Falle sind auch andere alleine unterwegs. Eren bestimmt nicht, da ist mit Sicherheit Mikasa bei ihm und vielleicht auch Armin. Und sollten Connie und Sasha alleine unterwegs sein, dann ...", er sprach lieber nicht zu Ende, woran er in diesem Moment gerade dachte.
"Bis zur nächsten Nacht auf Sicherheit spielen können wir nur, wenn hier in er Nähe ein Baumriesenwald wäre. Es gibt keinen anderen Ort ausserhalb der sicheren Mauern, wo wir uns vor den Titanen in Sicherheit bringen könnten.", er rieb sich das Kinn, dachte scharf nach. War hier in der Nähe ein Baumriesenwald?
"Tut-Tut mir leid.", murmelte Christa derweil und schaute betroffen zu Boden, was Jean aufschrecken liess. Er hob die Hände. "Nein, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Christa. Nicht du.", nicht so ein wunderschönes Mädchen, das einer Gottheit glich, "du kannst mit einem von uns mitreiten, du bist ja ...", sag jetzt nicht wunderschön und elegant ...", du bist ja leicht und klein.", um ein Haar hätte er komptakt gesagt.
"Wir wechseln uns am besten ab, falls wir heute einen weiten Weg zurücklegen, damit nicht ein Pferd die ganze Zeit die doppelte Last tragen muss. Weiss einer von euch, ob hier in der Nähe ein Baumriesenwald ist ...?"
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Annie Leonhardt

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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 25, 2018 2:37 am

Da wird jemand hart in Anspruch genommen. Annie verfolgte mit leichter Besorgnis, wie Jean sich mal durch die Haare strich und dann übers Kinn, und er wollte gefühlt gar nicht aufhören, über Baumriesenwälder zu reden. Die Sorge, er könnte gerade unter dem Druck zusammenbrechen, manifestierte sich bei Annie natürlich als Gesichtsausdruck milder Genervtheit. Christa dagegen funkelte ihn an mit ihren Rehäuglein, vermutlich nicht wissend, was sie damit bei ihm auslöste.
Über wen hatte Jean noch gleich Geschichten aus den Mädchenbaracken hören wollen?
"Vielleicht auch etwas über Christa? Oder über Sasha? Nein, warte, ich glaube über Sasha möchte ich lieber nichts wissen."
Wahrlich. Sie alle sollten den Tag fürchten, an dem dieses Mädchen, das gerade wie ein Welpe nach Spaziergang im Regenschauer vor ihnen stand, verstand, was für eine Macht sie über andere Leute haben konnte.
"Tut-Tut mir leid."
"Nein, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Christa. Nicht du."
Annie presste die Lippen zusammen und erstickte ein grobes Aufstöhnen. Sie marschierte zum Flussufer, damit man es ihr nicht ansah, und kniete sich hin, um ihre Feldflasche zu füllen. Die Pferde bedienten sich derweil ebenfalls am kühlen Nass.
Jean arbeitete derweil weiter an der Tagesplanung. Er kam so weit, dass Christa abwechselnd bei dem einen oder anderen im Sattel saß. Und dass sie nur sicher sein würden, wenn sie einen Baumriesenwald fänden. Ob einer wüßte, wo einer wäre, war dann auch seine Frage.
"Ich weiß von keinem", erwiderte Annie lakonisch. Sie erhob sich aus der Hocke und drehte sich wieder zu den anderen um. "Also sollten wir uns wohl besser auf den Weg machen, einen zu finden, was? Christa ist pitschnass und sieht aus, als hole sie sich jeden Moment eine Lungenentzündung. Ein Platz, an dem wir ihre Kleider trocknen könnten, wäre daher nicht schlecht.
Was Ymir angeht: Nach ihr zu suchen, ist Zeitverschwendung." Unnachgiebig blickte sie Christa dabei an. "Wir wissen ja kaum, wo wir anfangen sollten. Und falls sie  ihre Begegnung mit dem Titan überlebte, wird sie nicht an einem Fleck bleiben, sondern weiter nach Shiganshina gehen, so wie wir ja auch. Heißt also, am ehesten sehen wir sie dort wieder." Oder gar nicht. Falls Ymir gefressen worden war, würden sie freilich gar nichts mehr von ihr sehen. Doch Annie glaubte das nicht. Unkraut verging nicht.
Annie ging zu ihrem Pferd hin und winkte Christa, schaute dabei allerdings zu Jean.
"Christa kommt zuerst mal zu mir aufs Pferd. Wir sind beide klein und leicht", erklärte sie, und die Betonung lag auf beide. "Vermutlich wiegen wir beide zusammen so viel wie Reiner alleine. Damit wird mein Pferd keine Probleme haben, und wir können so weit durchreiten, wie es nötig ist."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 25, 2018 6:17 pm

Jean bemerkte es nicht. Er bemerkte nicht, dass Annie genervt war und erst recht nicht bemerkte er, wieso sie genervt war. Er sah nur, wie sie zum Flussufer ging und ihre Feldfalsche füllte.
Sollte ich auch tun, fuhr es ihm durch den Kopf. Deswegen waren sie ja ursprünglich eigentlich hierher gekommen, nicht wahr?
Er lächelte Christa kurz zu, bevor er mit einem Nicken zu Annie deutete. "Wir füllen noch rasch unsere Feldflaschen auf. Möchtest du nicht auch? Selbst wenn sie noch halb gefüllt ist, ist es besser, wenn man sie nun voll macht. Wir wissen nicht, wann wir das nächste Mal die Gelgenheit dazu haben."
"Ehm ... Ja. Du hast recht, aber ich habe sie nicht mehr.", erklärte sie mit ihrer engelsgleichen Stimme, "Alle meine Vorräte und Dinge sind bei meinem Pferd. Das ich unterwegs verloren habe ...", sie blickte zu Boden, betroffen. So, als ob sie sich bewusst war, dass das dumm von ihr war, dass sie ihr Pferd verloren hatte und dass das alleine ihre Schuld war.
Jean blinzelte überrascht und schüttelte rasch den Kopf. "Oh, entschuldige. Ich ... Stimmt. Daran hätte ich denken können. Du kannst natürlich von uns Wasser abbekommen.", er hob den Kopf, sah zu Annie, "Nicht wahr, Annie?", er wusste noch nicht einmal, ob sie überhaupt mitbekommen hatte, worüber er sich gerade mit Christa unterhalten hatte.
Und während er selbst dann ebenfalls seine Feldfalsche füllte, ging es wieder um die Frage, wo es einen Wald der Baumriesen gab.
Und niemand wusste, ob es überhaupt einen in der Nähe gab. Er rümpfte die Nase. Na das konnte ja was werden.
Annie fuhr fort. Erklärte, dass sie einen Platz suchen sollten, an dem Christa ihre Kleider trocknen konnte und er erwähnte auch Ymir. Und dass es umsonst wäre, nach ihr zu suchen. Zeitverschwendung hatte sie es genannt, was Jean aufhorchen liess. Er warf ihr einen bösen Blick zu.
"Annie!", sprach er mahnend, während Christa schwer schluckte und ihre Lippen aufeinander presste. Die Worte Annies schienen ihr nahe zu gehen. "I-Ich weiss. Das wäre viel zu gefährlich.", gab sie dann leise und unsicher von sich, "Aber ich kann ...", doch weiter sprach sie nicht, brach selbst ihren Satz ab und atmete dann tief durch. Sie schien zu wissen, dass Annie im Grunde mit ihrer Aussage recht hatte.
Jean lief zu Annie und blieb direkt vo ihr stehen und sprach, so dass Christa es nicht hören konnte: "Sei Mal etwas vorsichtiger mit deiner Wortwahl, Annie. Du hast recht, aber du könntest es wirklich etwas freundlicher ausdrücken. Kein Wunder, dass alle bei dir auf Abstand gehen." Zu hart? Jean fand es nicht. Annie gab selber ungeschöne Worte von sich, da würde sie das schon selbst auch aushalten.
Er ging zurück zu seinem Pferd, überprüfte den Sitz des Sattels und nickte dann, als Annie erklärte, dass Christa zuerst zu ihr aufs Pferd soll und dass sie gemeinsam so viel wogen wie Reiner zusammen.
"Tja, das arme Pferd von Reiner.", gab Jean von sich. Doch bevor er sich auf den Rücken seines Pferdes begab, löste er ein kleines Bündel, das auf dem hinteren Teil des Rücken des Tieres festgemacht war und rollte es aus. Es war sein grüner Umhang. Er ging zu Christa und legte ihn ihr um die Schultern. "Annie hat recht, wenn du so durchnässt bist, solltest du dir dringend etwas überziehen und dich aufwärmen. Eine Feuerstelle wäre natürlich besser, aber das hier muss fürs Erste reichen."
Und mit diesen Worten setzte er sich kurz darauf auf sein Pferd. Für einen Moment dachte er nach, fragte sich, in welche Richtung, doch eigentlich war das klar. Immer Richtung Shiganshina.
"Brechen wir auf."
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Di Sep 25, 2018 10:49 pm

Vorsichtiger mit ihrer Wortwahl? Annies Augenbrauen schossen in die Höhe, und eine steile Falte bildete sich über ihrer Nasenwurzel. Was Wortwahl anging, wählte Jean selbst nicht allzu gut. Hätte er es nur etwas lauter gesagt, hätte Annie ihn allein aus Prinzip auf den Boden geworfen. In den kalten, nassen Schlamm. Oder ins flache Wasser, mit dem Kopf voran und den Füßen nach oben.
Doch Nein. Sie griff nicht auf Gewalt zurück. Sie wurde nur ein klein wenig patzig.
"Ich bin nur ehrlich", versetzte sie, in dem gleichen, leisen Tonfall wie er auch. "Es zu beschönigen, bringt gar nichts." Außerdem hatte Christa es völlig eingesehen und verstanden.
Schließlich einigten sie sich auf das weitere Vorgehen, und Jean stellte sich auch ganz nützlich an, indem er der klatschnassen Christa seinen Umhang anbot. Natürlich drückte er ihn ihr nicht einfach nur in die Hände, sondern legte ihn ihr auch noch um. Musste ja ritterlich sein zu der Prinzessin. Ein spitzer Kommentar lag Annie auf der Zunge, doch er wollte nicht raus. Nicht nach der leichten Anfuhr von vorhin. Schweigend ließ sie Christa mit aufsitzen.
"Brechen wir auf."
"Jawohl, großer Anführer", erwiderte sie murmelnd. Mit Zungeschnalzen und Schenkeldruck brachte sie ihr Pferd dazu, sich in Bewegung zu setzen.
Mit steigender Sonne kam immer mehr Farbe in die Welt zurück. Sommerlich und sattgrün waren die Wiesen, die sie überquerten. Es ging am Fluss entlang, mit viel freier Fläche ringsum. Hier und dort störten Baumgruppen die Sichtlinie, doch ganz generell konnte man sich wohl sicher fühlen. Relativ sicher.
Seit fünf Jahren waren die drei Reiter die ersten Menschen, die sich hier aufhielten. Sie erspähten hin und wieder Spuren auf zivilisiertes Leben, wie zerfallene Weidezäune oder gar ganze, einsam gelegene Gehöfte und die Hütten von Fischern, allesamt verwahrlost und unbewohnt. Manche Gebäude waren auch eingerissen, und es gab keinen Zweifel daran, wer für die Zerstörung verantwortlich war.
Besonders selten waren glücklicherweise die Überreste der großen Befreiungsarmee. Jenes zusammengewürfelten Heeres aus Soldaten und Maria-Bürgern, das ausgezogen war, um die gefallene Mauer zurückzuerobern. So hatte es offiziell geheißen, und Annie erinnerte sich noch gut daran, wie dieser geniale Schachzug verkündet worden war. Sie selbst war nicht auf dem Platz gewesen, als ein beamteter Schreihals das Ganze herausposaunt hatte, aber Berthold und Reiner hatten in der zuhörenden Menge gestanden, und noch Stunden später hatte ihnen der Unterkiefer runtergehangen angesichts solcher Idiotie.
Wie weit waren diese verlotterten Haufen von Möchtegern-Kämpfern wohl gekommen? Ein paar Tapfere hatten sich wohl bis hierhin durchgeschlagen, denn Jean, Christa und Annie ritten an einigen Gewöllen vorbei, in denen auch Uniformen oder gar ganze Banner zu sehen waren. Gewölle, das waren die Kotzbrocken der Titanen. Wie Eulen oder Katzen würgten sie, wobei sie natürlich überhaupt nichts verdauten.
Annie sagte nichts dazu.
Und dann begegneten sie einem Menschen. Oder zumindest dachte sie dies im ersten Moment.
Es war Vormittag, als ihnen im Schatten einiger Bäume eine menschliche Gestalt auffiel. Normalgroß und normal proportioniert, nicht titanisch. In grobe Wollkleidung gehüllt, als müsse sich der Fremde gegen Regen schützen.
Als sie nah genug heran waren, stellten sie allerdings fest, dass der Mensch nur eine Puppe war, aus Stroh gebastelt und in Lumpen gekleidet, wie eine Vogelscheuche.
Annie kniff ein wenig die Augen zusammen. Stroh? Nein, die Puppe war nicht aus Stroh. Aus Schilf.
Und falls jemand noch näher hinsah, würde er feststellen, dass das Material noch in keinster Weise verrottet war.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Mi Sep 26, 2018 6:08 pm

Es gefiel Jean nicht besonders, wie Annie auf ihn reagierte. Ihre Worte klangen irgendwie sarkastisch, vor allem das "Jawohl, großer Anführer". Aber er reagierte nicht darauf, liess es dabe beruhen. Im Grunde konnte e sihm ja auch egal sein, sobald sie die anderen wieder gefunden hatten, würde sowieso Jemand anderes das Kommando übernehmen und er musste sich nicht weiter damit rumschlagen. Denn eigentlich behagte ihm das nicht besonders. Er war kein Anführer, dieser Ansicht war er schon immer gewesen, aber scheinbar dachten ein paar Leute etwas anders darüber. Auch Marco gehörte zu diesen Leuten. Und er hatte es ihm gesagt, wenn auch mit einer etwas seltsamen Erklärung. Jean erinnerte sich noch sehr gut daran ...
Sie ritten also los und während ihre Pferde nebeneinander hergingen, sprach keiner ein einziges Worte. Ab und an warf Jean ein Blick zu den beiden Mädchen. Annie hatte einen starren Blick rauf, oder zumindest wirkte es so, während offensichtlich nach unten schaute, auf ihre Hände. Vermutlich machte sie sich Sorgen um Ymir? Er konnte es verstehen. Aber er war diesbezüglich dennoch Annies Meinung. Nach ihr zu suchen wäre Zeitverschwendung.
Sie drangen immer weiter in das Gebiet vor, in dem seit fünf Jahren kein Mensch mehr lebte und es machte sich auch immer mehr und mehr bemerkbar. Erst recht, als die Überreste der Titanen zu sehen waren. Das Ausgekotzte. Jean verzog das Gesicht, er sah lieber erst gar nicht genau hin, denn ab und an konnte man in diesem rieisgen, roten Knäuel, das mittlerweile schon ganz ausgetrocknet war, menschliche Überreste erkennen.
Titanen waren nicht nur gefährlich und mörderisch, sondern auch unendlich eklig, wie Jean fand. Er hatte diese ausgekotzten Überreste auch schon in Trost gesehen. Und so sehr er auch um Marco trauerte, war er froh, dass er ihn nicht in einem dieser Knäuel glauben musste.
Sie ritten weiter und kamen zu einem verlassenen Hof einen Moment lang spielte Jean mit dem Gedanken, hier nach etwas Essbarem zu suchen, doch nach fünf Jahren gab es hier vermutlich kaum etwas ... Ausser es wurde irgendwo gesalzenes Trockenfleisch gelagert.
Und dann tauchte etwas im Schatten einiger Bäume auf. Der erste Gedanke von Jean war Panik! Titan! Doch schon ein Herzschlag später wurde ihm bewusst, dass die Proportionen zu normal waren, das konnte kein Titan sein. Er schluckte, beugte sich im Sattel etwas weiter vor, versuchte zu erkennen, ob das vor ihnen ein Mensch war. Er kniff die Augen leicht zusammen. Wenn es ein Mensch war, dann konnte derjenige unmöglich noch am leben sein. Nicht nach fünf Jahren, nicht inmitten des Gebiets der Titanen.
"Eine Strohpuppe?", murmelte er dann, als er das Gesicht des vermeindlichen Menschen erkannte, "Was soll das denn?", er war verwirrt. Gehörten diese Dinger nicht eigentlich mitten auf ein Feld um irgendwelche Vögel abzuschrecken? Hier uner den Bäumen würden sie doch gar nichts bewirken?
Einen Moment dachte er darüber nach, sich dem Ding zu nähern, doch irgendwie stank das für ihn nach einer Falle. Ein Mensch, der Hilfe benötigte, konnte das unmöglich sein.
Christa zog scharf die Luft ein. "Das sieht irgendwie unheimlich aus, oder?"
Jean nickte. "Wir umgehen es, machen einen Bogen um die komische Puppe und gehen weiter Richtung Shiganshina.", damit hatte es sich auch erledigt, dass sie im Haus nach etwas Essbarem suchen würden.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 27, 2018 1:24 am

Was für eine dröge Reise. Bis in den Vormittag ritten sie, ohne auch nur ein Wort zu wechseln. Es hätte Annie nicht gestört, nein - sie hätte es eigentlich sogar begrüßt, dieses Schweigen. Wenn es nicht in der Nacht noch anders gewesen wäre. Da hatte sie sich mit Jean unterhalten, und auch wenn sie nicht sagen wollte, dass das besonders interessant oder so war, fand sie es doch besser als dies hier.
Vielleicht war sie zu spitzzüngig gewesen. Vielleicht sollte sie etwas Netteres sagen. Sich gar entschuldigen? Nein, das nicht.
Als dann ein Hauch von Gefahr aufkam, war Annie fast schon erleichtert! Kein Grund, irgendwas zu sagen, was man am Ende gegen sie verwenden mochte!
Die Vogelscheuche rief bei ihren Kameraden Reaktionen hervor, wie es vielleicht auch bei Vögeln passierte. In Annies Vorstellung schnarrte ein Buntspecht "Was soll das denn?", und eine Nachtigall zwitscherte "Das sieht irgendwie unheimlich aus, oder?" Und eine Zwergeule blinzelte bloß verschlafen in ihrer kleinen Baumhöhle. War nämlich nachtaktiv, nicht wie all die andern.
Jean orderte nun, die Vogelscheuche links liegen zu lassen. Und Annie begriff, dass sie nun das Wort ergreifen sollte - denn wann sonst würde sich noch eine Gelegenheit bieten!
"Die Puppe", sagte sie nach einem demonstrativen Blick auf das seltsame Ding, "ist nicht aus Stroh. Sie ist aus Schilf geflochten. Schaut genau hin. Es ist aus dem gleichen Schilf, aus dem vorhin auch es hier gestolpert ist." Annie hob die Hand, zeigte über die Schulter auf Christa und warf dann Jean einen Seitenblick zu. "Du hast die Stelle vorhin auch gesehen, nicht wahr? Am Fluss, wo das Schilfrohr geschnitten war."
Die Pferde schritten indes weiter, an der Vogelscheuche vorbei.
Und dann wurde der Blick frei auf noch eine Puppe. Und noch eine. Und noch drei mehr, wild verteilt. Sie alle waren aus Schilf, sie waren in Lumpen gekleidet ... und sie alle "schauten" in die gleiche Richtung. Nämlich gen Süden.
"Hier ist etwas faul", befand Annie schlicht. "Was tun, ihr Aufklärungstruppler? Aufklären?"
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 27, 2018 6:22 pm

"Aus dem gleichen?", wiederholte Christa ungläubig und sah nun etwas genauer hin. Auch Jean tat es ihr gleich, als Annie diese Worte ausgesprochen hatte, hatte sie ihn neugierig gemacht. Und sie hatte recht. Und es machte das Ganze nur noch unheimlicher.
Der Hellbraunhaarige nickte ob Annies Worten. "Ja.", sagte er langsam, "Stimmt, es ist dasselbe Material. Und jetzt wissen wir auch, wo das ganze Schilf hingekommen ist, das am Fluss gefehlt hat ...", denn es war nicht bloss nur eine Puppe, es waren mehrere. Wieviele insgesamt? Vier oder fünf? Oder waren es gar mehr? Jean presste die Lippen aufeinander und liess den Blick umherschweifen. Das hier roch ganz nach einer Falle und das gefiel ihm überhaupt nicht. Er erwartete sogar zu jeder Zeit von links oder rechts oder gar von hinten angegriffen zu werden. Sein Körper hatte sich augenblicklich angespannt, stellte sich bereits auf die kommende Gefahr ein.
Christa indes hatte sich etwas fester an Annie geklammert, sie fand diesen Anblick - obwohl es taghell war - offensichtlich auch sehr unheimlich.
"Wieso schauen sie alle in die gleiche Richtung?", fragte Christa und konnte den Blick nicht von diesen Puppen wenden, "als ob sie von dort etwas erwarten würden."
Als Annie fragte, was sie nun tun sollten, verzog Jean leicht das Gesicht. "Mir gefällt das hier nicht, es stinkt." gab er genervt von sich, "aber vermutlich können wir es nun nicht mehr einfach ignorieren. Ihr zwei bleibt hier, behaltet die Umgebung im Auge, ich werde mir eine dieser Puppen Mal etwas näher anschauen. Wenn ihr irgendetwas Verdächtiges seht, gebt Bescheid.", mit diesen Worten stieg er von seinem Pferd ab und üebrreichte Annie die Zügel seines Tieres. Er wollte eigentlich nicht dahin, am liebsten hätte er Annie dahingeschickt. Sie war doch so unerschrocken und taff, aber er wollte vor den zwei Mädchen auch nicht wie ein Feigling dastehen.
Innerlich sammelte er sich, atmete tief durch, zögerte den Moment eine Sekunde länger hinaus, als gut für ihn war, bevor er sich dann auf den Weg zu einer dieser Puppen machte, um sie zu untersuchen.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   Do Sep 27, 2018 9:10 pm

Angefasst zu werden, war nicht unbedingt Annies Ding. Es löste Beißreflex aus. Sie musste sich selbst streng ermahnen, dass es sich nicht gehören würde, wenn sie nun Christa den Ellenbogen in die Magengrube hauen würde. Also ließ sie es bleiben, auch wenn die Umklammerung des noch immer leicht nassen Mädchens unangenehm eng war.
Du denkst ja dran, dass ich nicht Ymir bin?, hätte sie am liebsten gefragt, doch dieses Thema war auch nicht so besonders schön. Besser nicht anschneiden. Stattdessen legte Annie die Hand auf den Arm Christas, der ihr am stärksten in die Rippen drückte, und lockerte ihn ein wenig. Für ihre Verhältnisse geschah dies sogar sanft.
"Es sind doch nur Vogelscheuchen", sagte sie zu der anderen Blonden, "Die erwarten gar nichts. Sie sind einfach nur ... wie Straßenschilder."
Jean entschloss sich derweil, die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen, und gab Annie die Zügel seines Pferdes. Sie nahm an und beobachtete, wie er losmarschierte, während sie mit Christa allein zurück blieb und Schmiere stand.
"Diese Dinger", führte Annie weiter aus, "sehen nicht aus, als stammten sie aus der Zeit vor dem Mauerfall. Dann wären sie viel mehr aus der Form, oder völlig zerfallen." Sie drehte ein den Kopf, um Christa anzuschauen. "Du warst doch auch bei der 57. Expedition dabei, nicht? Habt ihr da keine solchen Dinger gesehen?"
Ihr selbst war jedenfalls nichts aufgefallen. Freilich konnte sie das schlecht sagen. Ich zumindest habe keine Vogelscheuchen gesehen, während ich euch im Dauerlauf verfolgte und stückweise auseinander nahm.

Jean würde indes feststellen, dass die Vogelscheuchen in der Tat erst ein paar Tage alt sein konnten. Zumindest, wenn er nah genug heran ging. Und falls er gut acht gab, würde er auch die Falle bemerken: Rund um die Vogelscheuche, in einem Umkreis von fünf Metern, war der Boden präpariert. Er bestand nur aus einem feinen Gitterwerk aus Ästen und Laub sowie einer feinen Erdschicht. Darunter erstreckte sich eine Fallgrube mit angespitzten Ästen am Grunde.
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BeitragThema: Re: Unter Titanen: Verirrt im Wald   So Sep 30, 2018 6:16 pm

"Nein.", erklärte Christa, klang schon fast etwas ehrfürchtig. Selbst wenn sie wusste, dass diese Dinger sich wohl nicht bewegen würden und somit wohl keine Gefahr darstellten, so war der Anblick dennoch sehr verstörend. Und wieso sollte man diese Dinger in dieser Aufmachung platzieren? Was für einen Grund hätte man dazu?
Aber Annie hatte recht, sie hatte diese Dinger noch nie gesehen, vermutlich waren sie also wirklich noch nicht allzu lange da, aber musste das im Umkerschluss nicht bedeuten, dass es hier draussen Menschen gab? Wer sonst sollte so etwas machen? Bestimmt kein Titan und erst recht kein Willenloser. Sie zermatterte sich den Kopf darüber, doch kam sie auf keine zufriedenstellende Lösung.
"Aber wieso sollte man sie aufstellen? Und vor allem wer hat sie aufgestellt? Hier draussen gibt es doch keine Menschen mehr, oder?", und wenn doch, fuhr es Christa durch den Kopf, dann hat Jemand tatsächlich fünf Jahre lang überlebt ohne von einem Titan verschlungen zu werden. Dieser Jemand hätte dan ihren grössten Respekt.
Dennoch war ihr das Ganze immer noch sehr suspekt.

Und auch Jean war dieses seltsame Puppentheater suspekt. Als etwas anderes konnte er es nicht bezeichnen, immerhin wirkte es, als hätte man diese Dinger für irgendetwas Bestimmtes aufgestellt. Als wären sie bereit für ihren grossen Auftritt, der einfach ewig auf sich warten liess.
Jean trat langsam näher, mit vorsichtigen Schritten näherte er sich. Ab und an blickte er immer wieder kurz zu den beiden Frauen zurück. Aber nur ganz kurz.
Er kam den Puppen aus Schilf immer näher und je näher er kam, desto mehr fiel ihm auf. Zuerst bemerkte er, dass diese Dinger nicht sehr alt sein konnten. Sie wirkten zu neu, zu frisch. Vermutlich waren sie also erst ein paar Tage alt. Und dann bemerkte er auch weitere Dinge. Nicht zuletzt, dass der Boden rund um die Vogelscheuchen präpariert war. Eine Falle? Für sie? Für einen Moment überfiel Jean Panik, doch dann wurde er sich bewusst, in welchem Zusammenhang diese Vogelscheuchen mit den Fallgruben standen.
Er kauerte sich an den Rand und wischte vorsichtig etwas Laub und locker aufgeschüttete Erde zur Seite.Darunter konnte er tatsächlich eine Fallgrube erkennen. Wer hier hineinfiel, würde nicht sanft landen. Wenn er nicht sehr glücklich fiel, würde er mit einem Spiess mitten durch den Körper enden.
Jean verzog das Gesicht und stand wieder auf. Er blickte sich weiter um, musterte die Umgebung. Lebte hier also Jemand? Lebte hier Jemand, der Titanen anlocken und aufspiessen wollte ...?
Er sah kurz zu Annie und Christa zurück. Er wollte nicht laut rufen, deshalb gab er ihnen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie näher kommen konnten.
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